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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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II. Medium der Besatzung686 scher Soldaten über die bourgeoise Wirklichkeit“ und proklamierte beschwö- rend: „Verachtung und Abscheu ruft in unseren Herzen das kapitalistische System hervor.“81 Auch unter der Rubrik „Bei uns und bei ihnen“ wurde auf „tragische“ Folgen des „kapitalistischen Scheusals“ hingewiesen, welches „das Blut aus dem Volk saugt“. Hingegen spiegle sich „all unsere wunderba- re sozialistische Wirklichkeit im Leben einer normalen sowjetischen Familie“ wider. Denn: „Die sowjetische Macht, die bolschewistische Partei und Ge- nosse Stalin haben für die sowjetischen Menschen ein freies und glückliches Leben bewirkt.“82 Auch sei die „kommunistische Gesellschaft“ durch eine „gigantische Steigerung der industriellen und landwirtschaftlichen Produkti- on“ geprägt, betonte ein langer Artikel den graduellen Übergang zum Kom- munismus.83 Der Beitrag „Bei ihnen und bei uns“ prangerte zudem die mangelnde Ver- ehrung großer Komponisten und Künstler im kapitalistischen System an. Beispielsweise verfalle ein Wohnhaus von Joseph Haydn, da es einem Bau- ern gehöre, der „nicht viel vom großen Komponisten hält“. Im Gegensatz dazu würden in der Sowjetunion sämtliche mit Revolutionären, Komponis- ten, Künstlern oder Schriftstellern verbundenen Orte „wie ein Heiligtum“ gepflegt. Hier gebe es üblicherweise keine Schwierigkeiten, weil „das Volk selbst Eigentümer aller Ländereien, aller Häuser und Finanzen ist. Wir hän- gen weder von Kapitalisten noch von adeligen Gutsbesitzern ab.“84 Einmal mehr wurde damit die große Verehrung österreichischer Komponisten und Künstler durch sowjetische Besatzungssoldaten betont, wobei man zudem der festen Überzeugung einer systembedingten kulturellen Überlegenheit gegenüber der „kapitalistischen Ordnung“ Ausdruck verlieh. Gerade der direkte, plakative Vergleich der beiden Systeme durch eine konstante Verteufelung des Kapitalismus und eine nahezu pathetische Be- tonung der Überlegenheit des sozialistischen Systems sollte die – in einem kapitalistischen Land – stationierten sowjetischen Besatzungssoldaten gegen etwaige Versuchungen ihrer „bourgeoisen“ Umgebung immun machen. Da- her wurde auch permanent auf kapitalistische „Begleiterscheinungen“ wie Hunger, Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und Armut hingewiesen, die sich den Armeeangehörigen eventuell nicht durch ihre persönlichen Erfahrungen erschlossen. Moskau war sich bewusst, wie sehr die dem Sozialismus „frem- 81 Prezrenie i otvraščenie vyzvyvaet v našich serdcach kapitalističeskij stroj. Pis’ma sovetskich voinov o buržuaznoj dejstvitel’nosti, in: Za čest’ Rodiny, 16.1.1948, S. 6. 82 U nas i u nich. Sčast’e sovetskich ljudej, in: Za čest’ Rodiny, 30.4.1949, S. 7. 83 I. Ančiškin, Puti zaveršenija stroitel’stva socializma i postepennogo perechoda k kommunizmu, in: Za čest’ Rodiny, 15.12.1946, S. 4. 84 U nich i u nas, in: Za čest’ Rodiny, 17.5.1946, S. 2.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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