Seite - 689 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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1. Die Armeezeitung der Zentralen Gruppe der Streitkräfte 689
Mensch der ganzen Welt noch einmal gezeigt, wozu ein Soldat in der Lage
ist, der von den edlen Ideen Lenins – Stalins begeistert ist.“ Als Preise für die
vier besten Erzählungen winkten ein Akkordeon, ein Radio, ein Fotoapparat
und Bücher.99
Besonders ritualisiert beging man den 13. April als Jahrestag der Einnahme
Wiens sowie den 9. Mai als „Tag des Sieges“. Kurze Lebensläufe und Porträtfo-
tos einzelner Soldaten riefen ihren Heroismus in Erinnerung. Auch die Dank-
barkeit der „Völker, die von der hitlerischen Sklaverei befreit wurden und zu
Recht in den sowjetischen Soldaten die wahren Verteidiger von Freiheit und
Frieden sehen“, trat in diesen Artikeln in den Vordergrund.100 Zum 13. April
erschienen Erinnerungen sowjetischer Kriegsteilnehmer, die dramatisch die
Ereignisse in Wien 1945 wiedergeben101 und einzelne Heldentaten besonders
herausgreifen.102 Den „jungen Soldaten“ führte man somit vor Augen, „wie
die Helden der Eroberung Wiens für den Sieg unserer Heimat kämpften“, und
mahnte sie, „die Staatsinteressen unserer großen Heimat zu wahren und die
Ehre und Würde des sowjetischen Soldaten im Ausland hochzuhalten“.103
Zugleich gedachte man regelmäßig der gefallenen sowjetischen Soldaten,
wobei gerne auf das im August 1945104 enthüllte Denkmal auf dem Wiener
Schwarzenbergplatz als Symbol der Ehrerbietung rekurriert wurde.105 1946
berichtete „Za čest’ Rodiny“ außerdem über die anlässlich des „ersten Jahres-
tages der Befreiung Wiens durch die Rote Armee“ erfolgten Umbenennungen
des Schwarzenbergplatzes in „Stalinplatz“, der Reichsbrücke in „Brücke der
Roten Armee“, der Floridsdorfer Brücke in „Malinowskibrücke“ und der La-
xenburger Straße im 10. Gemeindebezirk in „Tolbuchinstraße“.106
Die großen Verdienste der Roten Armee bei der Befreiung Österreichs,
„dem ersten Opfer der hitlerschen Aggression“, von der „faschistischen Skla-
99 Konkurs redakcii gazety „Za čest’ Rodiny“ na malen’kij rasskaz, in: Za čest’ Rodiny, 17.10.1945, S. 4.
100 S. Borzunov – M. Alekseev, Toržestvo v stolice Avstrii – Vene. Parad sojuznych vojsk na ploščadi
Stalina, in: Za čest’ Rodiny, 9.5.1946, S. 3.
101 Stoim na straže zavoevannogo mira. Učastniki boev za Venu rasskazyvajut, in: Za čest’ Rodiny,
13.4.1948, S. 4.
102 A. Razgon, V bojach za Venu, in: Za čest’ Rodiny, 13.4.1949, S. 5.
103 Godovščina slavnoj pobedy, in: Za čest’ Rodiny, 13.4.1946, S. 1.
104 A. Vercholetov, Otkrytie pamjatnika pogibščim voinam Krasnoj Armii v gorode Vena, in: Za čest’
Rodiny, 21.8.1945, S. 3.
105 Na mogily pigobščich sovetskich voinov vozloženy venki, in: Za čest’ Rodiny, 13.4.1946, S. 3; Slava
osvoboditelej bessmertna!, in: Za čest’ Rodiny, 16.4.1949, S. 3.
106 Ploščad’ imeni Stalina i most imeni Krasnoj Armii, in: Za čest’ Rodiny, 13.4.1946, S. 1. Im Juli 1956
beschloss der Wiener Gemeinderatsausschuss, jene Verkehrsflächen, die „russische Bezeichnun-
gen“ erhalten hatten, wieder umzubenennen. Vgl. Auf allgemeines Verlangen: Die russischen
Straßenbezeichnungen abgeschafft. Der Stalinplatz heißt wieder Schwarzenbergplatz, in: Arbeiter-
Zeitung, 19.7.1956, S. 1.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918