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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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III. Formen der Erinnerung692 den Vordergrund. Wenig überraschend gaben bei einer aktuellen Umfrage nach den großen Leistungen, auf die Russland stolz sein könne, 80 Prozent der Befragten den Sieg über die NS-Herrschaft in Europa an.1 Zugleich wer- den die negativen, tragischen Seiten der sowjetischen Geschichte zunehmend aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt. Unter dem Vorwand, die Ge- sellschaft „von einem Schuldkomplex zu befreien“, wird versucht, sie ihrer historischen Verantwortung zu entbinden. Erklärtes Ziel sei ein „positives“ Geschichtsbild, das eine „glückliche Identität“ vermitteln solle, betont die Moskauer Historikerin Irina Ščerbakova.2 Das alljährliche Jubiläum am 9. Mai wird entsprechend bombastisch inszeniert. 1.1.1 Tag des Sieges Die jährlichen Feierlichkeiten zum „Tag des Sieges über den Hitlerfaschis- mus“ („den’ pobedy“) bildeten den Höhepunkt in der offiziellen sowjeti- schen Chronotopie des Erinnerns und Gedenkens der Sowjetunion wie auch der Russischen Föderation. Kein anderes Ereignis prägt bis heute das kol- lektive Gedächtnis des Landes so nachhaltig wie der „Große Vaterländische Krieg“, der mit einem triumphalen Sieg endete: Am Morgen des 9. Mai 1945 verkündete Stalin in seiner Radioansprache die Kapitulation Deutschlands, woraufhin sich im ganzen Land Menschen spontan auf den Straßen versam- melten und das Ende des Zweiten Weltkrieges feierten. Am 24. Mai 1945 fand auf dem Roten Platz in Moskau ein als Siegesparade bekannt gewor- dener triumphaler Festakt statt, der vor allem die eigene militärische Stärke demonstrierte. Der 9. Mai blieb zunächst nur für zwei Jahre als arbeitsfreier Tag bestehen. Erst 1965, zum 20. Jahrestag des Kriegsendes, wurde der „Tag des Sieges“ zum offiziellen Nationalfeiertag erklärt und erstmals wieder eine Militärparade anlässlich des Jahrestages abgehalten.3 Damit begann die „Ur- supierung“ durch die sowjetische Propaganda: „Die Geschichte des blutigen Krieges verwandelte sich in die eines großartigen Sieges“ und wurde zu ei- nem „Gegenstand persönlichen und kollektiven Stolzes“.4 1 Peter Jahn, Stütze der Erinnerung – Last der Erinnerung, in: Peter Jahn (Hg.), Triumph und Trauma. Triumf i bol’. Sowjetische und postsowjetische Erinnerung an den Krieg. Sovetskaja i postsovetskaja pamjat’ o vojne 1941–1945. Berlin 2005, S. 8–22, hier: S. 16. 2 Irina Ščerbakova, „Stalin war ein effizienter Manager“. Zur Diskussion über neue Geschichtslehr- bücher in Russland, in: Horch und Guck. Zeitschrift zur kritischen Aufarbeitung der SED-Diktatur. 2009/2, S. 56–59, hier: S. 56. 3 Peter Jahn (Hg.), Triumph und Trauma. Triumf i bol’. Sowjetische und postsowjetische Erinnerung an den Krieg. Sovetskaja i postsovetskaja pamjat’ o vojne 1941–1945. Berlin 2005, S. 43. 4 Irina Scherbakowa, Zerrissene Erinnerung. Der Umgang mit Stalinismus und Zweitem Weltkrieg im heutigen Russland. Göttingen 2010, S. 31.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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