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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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1. Institutionalisierte Erinnerung im Wandel 697 wie sensibel die heutige russische Führung auf Versuche reagiert, den Mythos des Sieges über Deutschland infrage zu stellen. Der Erinnerungskult wird so- wohl im privaten wie auch im öffentlichen Gedächtnis zelebriert. Bis heute sehen viele die Erinnerung an den Krieg als Teil eines „genetischen Volksge- dächtnisses“. Gerade einschlägigen Orten der Erinnerung kommt dabei die Rolle zu, den Stolz auf eine ruhmreiche Vergangenheit aufrechtzuerhalten. 1.2 Orte der Erinnerung Über Jahrzehnte wurde die Erinnerung an den „Großen Vaterländischen Krieg“ in den verschiedensten Ausdrucksformen wachgehalten und immer wieder neu aktiviert, wodurch sie sich zu einem tief verinnerlichten kultu- rellen Handlungsrahmen entwickelte. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten Gedenkstätten und Museen, die als Bestandteil der privaten Lebenswelt zu unterschiedlichen Anlässen besucht werden. Zu diesem ritualisierten Kriegs- gedächtnis zählt etwa, dass Brautpaare das „Ewige Feuer“, das Grab des Un- bekannten Soldaten oder andere Gedenkstätten aufsuchen und dort im Ge- denken an die Toten des Krieges Blumen niederlegen.20 Bald nach Kriegsende ließ die Sowjetunion die ersten großen Denkmä- ler und Denkmalensembles zur Erinnerung an die gefallenen sowjetischen Soldaten errichten – allerdings nicht im eigenen Land, sondern in den sow- jetisch besetzten Teilen Deutschlands und Österreichs sowie in Osteuropa. Bereits 1945 wurden in Wien, Warschau und Königsberg/Kaliningrad Hel- dendenkmäler der Roten Armee enthüllt,21 1947 entstand das Denkmal für die sowjetischen Soldaten auf dem Budapester Gellertberg, und 1949 wurde in Berlin-Treptow das größte von insgesamt drei sowjetischen Ehrenmalen eingeweiht.22 Die Kriegerdenkmäler sind nicht nur ein Erinnerungszeichen an die Gefallenen, sondern auch ein öffentliches Bekenntnis zu den Soldaten.23 Ähnlich wie die Kriegerdenkmäler für gefallene Wehrmachtssoldaten in Ös- terreich fungierte diese Kategorie der Gefallenendenkmäler gewissermaßen als „Norm kollektiven Erinnerns“.24 20 Jahn, Triumph und Trauma, S. 166–171. 21 Siehe dazu auch das Kapitel B.III.3.1.3 „Steinernes Gedächtnis“ in diesem Band. 22 Jahn, Triumph und Trauma, S. 92–97. 23 Heidemarie Uhl, Erinnern und Vergessen. Denkmäler zur Erinnerung an die Opfer der national- sozialistischen Gewaltherrschaft und an die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges in Graz und in der Steiermark, in: Stefan Riesenfellner – Heidemarie Uhl (Hg.), Todeszeichen. Zeitgeschichtliche Denkmalkultur. Wien – Köln – Weimar 1994, S. 111–195, hier: S. 150f. 24 Heidemarie Uhl, Transformationen des österreichischen Gedächtnisses. Geschichtspolitik und Denkmalkultur in der Zweiten Republik, in: Ulf Brunnbauer (Hg.), Eiszeit der Erinnerung. Vom Vergessen der eigenen Schuld. Wien 1999, S. 49–64, hier: S. 54.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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