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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 711 -
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2. Mündlich wiedergegebene Erinnerung: Topoi und Tabus 711 Ab 1947 begleitete sie ihren Mann, der als Epidemiologe bei der CGV tätig war, für beinahe zwei Jahre erneut nach Österreich. Der engste Kontakt mit der Bevölkerung ergab sich durch die Unterbringung in einem Privathaus in Hinterbrühl: „Wir wohnten dort in einem Haus, in dem auch Österrei- cher wohnten. Ich würde sagen, sie verhielten sich uns gegenüber gut, bis zu einem gewissen Grad bedienten sie uns, halfen etwas, obwohl sie Hun- ger hatten: Um die Versorgung stand es bei ihnen sehr schlecht.“ Im Großen und Ganzen seien sie jedoch „unter sich und wir unter uns“ geblieben, be- tont Evtichieva. Die in ihren Augen zwar distanzierte, aber nicht feindliche Haltung der Bevölkerung gegenüber den sowjetischen Besatzern fasst sie ab- schließend als „normale Beziehung“ zusammen: „Es gab nichts Schlechtes. Wenigstens gab es keine Angriffe auf uns, es gab dort keine Terroristen, sie attackierten uns nicht mit Sprengstoff und vergifteten uns nicht.“67 Der Offizier Nikolaj Paščenko sieht den wichtigsten Grund für die seiner Meinung nach äußerst freundliche Haltung gegenüber der Roten Armee da- rin, dass die Bevölkerung sie „voll Freude“ als „Befreierin vom Faschismus“ würdigte. Diese Einstellung wurde zudem gezielt in der Schulung der Sol- daten vermittelt, betont der spätere Diplomat: „Unsere Hauptaufgabe hing mit dem Befehl über die Organisation der erzieherischen Arbeit unter den Soldaten zusammen, damit, ihnen beizubringen, dass vor uns nicht der Feind steht, sondern dass wir uns in einem Land befinden, das sich uns gegenüber freundlich verhält, da wir ihm bei der Befreiung vom faschistischen Regime geholfen hatten. Dass das tatsächlich so war, sahen wir in den Augen der ös- terreichischen Bevölkerung, die wir jeden Tag trafen, da wir Offiziere in den Wohnungen österreichischer Bürger wohnten. Wir sahen ihre Einstellung 67 Ebd. Abb. 118: Hauptmann des medizinischen Dienstes Elena Evtichieva (rechts vorne) mit Krankenschwe- stern des medizinisch- sanitären Bataillons der 252. Schützendivision der 2. Ukrainischen Front in Wien 1945. (Quelle: AdBIK, Sammlung Evtichieva)
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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