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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 733 -
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Seite - 733 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

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2. Mündlich wiedergegebene Erinnerung: Topoi und Tabus 733 Deckel, vielleicht versilbert, ich kann- te mich damals nicht aus, man kann den Deckel so schließen und wieder aufmachen, ein Ziffernblatt. […] Und diese Uhr nahm ich von ihm, die Pis- tole gab ich her.“152 Hingegen berichtet der 1921 in Moskau geborene Michail Gusarov, der zu Kriegsende den Rang eines Kommandeurs der Abteilung für to- pografische Aufklärung innehatte, wie ihm selbst – anscheinend von einem Kameraden – am 8. Mai 1945 seine Uhr gestohlen wurde. Seinem Bericht, den er mit einem Lachen beendet, verleiht er etwas Anek- dotisches. Auf die Herkunft seiner Uhr geht er allerdings nicht ein: „Ich wusch mich, legte die Feldbluse ab, und eine Uhr hatte ich, gab sie runter, legte sie auf den Trosswagen. Alle lie- fen zusammen, schrien, umarmten alle – Krieg kaputt, kaputt Krieg, aus. Ich ging zurück – und meine Uhr war weg.“153 2.2.2 „So etwas gab es nicht!“ Vergewaltigungen als Tabu Während die meisten Zeitzeugen relativ offen über Plünderungen reden, an denen sie sich bis zu einem gewissen Grad auch selbst beteiligten, werden Vergewaltigungen weitestgehend tabuisiert. Wie bereits erwähnt, schienen die sowjetischen Armeeangehörigen in ihrer Wahrnehmung ein gewisses Anrecht auf „Trophäen“ zu haben: Die Heimat war zerstört, Paketsendungen wurden erlaubt, Gebrauchsgegenstände wie Kleidung oder Schuhe und Le- bensmittel wurden dringend benötigt, vieles wäre, so die Überlegung, ansons- ten ohnedies vernichtet worden, und die Ranghöheren griffen im großen Maß- stab zu. Dass manche der Beutegüter anscheinend Nationalsozialisten gehört hatten, legitimierte den Anspruch darauf noch zusätzlich. Vor diesem Hinter- grund wird auch klar, weswegen das Erbeuten echter Wertgegenstände wie Gold, Schmuck oder auch Uhren weitaus zurückhaltender geschildert wird. 152 OHI, Golyšev. 153 OHI, Michail Gusarov. Durchgeführt von Dar’ja Gorčakova. Moskau 20.11.2003. Abb. 123: Neben Uhren stellten auch Fahr- räder ein begehrtes Gut dar. (Quelle: AdBIK, Foto: Grünanger)
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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