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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 739 -
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3. Schriftliche Zeugnisse Kriegsende und Besatzungszeit in Österreich hinterließen ihre Spuren zudem in der sowjetischen Literatur, die ihrerseits als Medium des kollektiven Ge- dächtnisses wirkt.177 So entstanden Kriegsreportagen, Gedichte und Lieder, später Erzählungen, Poeme, Novellen, Romane und Autobiografien. Nicht nur für die Öffentlichkeit bestimmte literarische Werke, auch sehr persönli- che Texte wie Tagebuchaufzeichnungen oder Briefe wurden verfasst. Man- che Erinnerungen liegen bis heute nur als Manuskript vor, weil sie nie einen Verleger fanden; andere wurden anlässlich runder Jubiläen sogar neu aufge- legt. Zu den Autoren gehören Journalisten, Schriftsteller oder jene, die bald Schriftsteller werden sollten. Aber auch bislang literarisch nicht tätige Besat- zungssoldaten brachten aus der Situation heraus ihre Eindrücke zu Papier. Ihr Schaffen schließt die militärischen Kampfhandlungen ein, sie schrieben über Wien und andere Städte sowie persönliche Erfahrungen, die sie in Ös- terreich gemacht hatten.178 Die ersten für die Öffentlichkeit bestimmten Texte erschienen in den Ar- meezeitungen. Ihre Redaktionen hatten sogar eine eigene als „Schriftsteller“ bezeichnete Charge, die aktuelles Material über die Kriegshandlungen, später über die Verhältnisse vor Ort, lieferte. Neben Reportagen druckten die Zei- tungen Gedichte, Briefe und Erzählungen, die natürlich auch propagandisti- schen Zwecken dienten.179 Sie entstanden entweder während der Ereignisse selbst oder in knapper zeitlicher Distanz. Ähnlich wie die für den privaten Gebrauch geschriebenen Briefe und Tagebücher lagen die Zeitpunkte des Er- lebens und jene des Niederschreibens nah beieinander. Später verfassten sowjetische Schriftsteller Bücher belletristischen Cha- rakters, deren Handlung meist im Wien der Nachkriegszeit angesiedelt ist.180 Durch die neue Erfahrung mit dem Westen boten sich erweiterte Möglichkei- ten literarischen Schaffens. Der persönliche Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung bedingte, dass die Deutschen bzw. Österreicher nicht „en mas- 177 Ebd., S. 143. 178 Toper, Blick aus Moskau; Reitinger, Österreich in den Augen der Sowjetliteratur; Klein, Die Rus- sen in Wien. Eine Auswahl von Darstellungen, Erinnerungen und Zeitzeugenberichten über das Kriegsende in Deutschland aus sowjetischer Sicht findet sich bei: Christiane Künzel, Literatur- auswahl, in: Elke Scherstjanoi (Hg.), Rotarmisten schreiben aus Deutschland. Briefe von der Front (1945) und historische Analysen. Texte und Materialien zur Zeitgeschichte. Bd. 14. München 2004, S. 405–435, hier: S. 426–431. 179 Toper, Blick aus Moskau, S. 88. Siehe dazu das Kapitel C.II.1 „Die Armeezeitung der Zentralen Gruppe der Streitkräfte“ in diesem Band. 180 Ein Überblick über einige dieser Werke findet sich in: Toper, Blick aus Moskau, S. 101, FN 35.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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