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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 748 -
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III. Formen der Erinnerung748 Nach der Befragung stellte er die Soldaten zur Rede. Er drohte nicht mit dem Gesetz, sondern fragte sie, rein „menschlich“, ob ihnen die Vergewalti- gungen nicht „peinlich“ seien. Angeblich brachte sein Einsatz das gewünsch- te Resultat und es fanden keine „Beleidigungen“ mehr statt. Zudem berich- tete er der Militärführung „von den Frauen in Sichauer [Söchau]“, wodurch Moskau aktiv wurde, er selbst aber auch in Schwierigkeiten geriet: „Die Ge- neräle saßen aufmerksam und ernst da, hörten jedem Wort zu. Es gab eine Zeit, als mein Signal über Vergewaltigungsversuche als Verleumdung der Roten Armee ausgelegt wurde. Es ging um den politischen Verlust in Öster- reich. […] Nach diesem Bericht wurden ernste Maßnahmen ergriffen.“223 3.2 Grigorij Savenoks Memoiren „Wiener Treffen“ Ein gänzlich anderes Bild vom Einsatz der Sowjetischen Armee in Öster- reich zeichnet die Autobiografie von Grigorij Michajlovič Savenok „Venskie vstreči“ („Wiener Treffen“), die sich nicht dem militärischen Vormarsch, son- dern den frühen Besatzungsjahren in Österreich widmet. Der 1901 geborene Autor arbeitete selbst einige Jahre als Stellvertreter des Kommandeurs für politische Angelegenheiten („Zampolit“) in der sowjetischen Militärkom- mandantur in Wien, wodurch er sich allein schon aus beruflichen Gründen mit den Verhältnissen in Wien bestens vertraut machte. 1948 kehrte er nach Moskau zurück, seit 1952/1953 war er Oberst der Reserve. 1956 begann Savenok, ausgehend von eigenen Erinnerungen und Tage- buchaufzeichnungen sowie Gesprächen mit Kollegen aus der ehemaligen Stadtkommandantur, das Buch „Venskie vstreči“ zu verfassen. Darin schil- dert er – mit deutlichem sowjetischem, poststalinistischem Unterton – die Arbeit der Stadtkommandantur während der frühen Besatzungszeit in Österreich. Er spannt einen Bogen vom Kriegsende über die Wiedererrich- tung Wiens und die Tätigkeit der sowjetischen Besatzungsmacht bis hin zu Staatsoper oder Fußball. Einleitend verweist Savenok darauf, dass die Idee zu diesem Buch bereits 1948 geboren worden sei: Als sich einige ehemalige führende Angehörige der Militärkommandantur – darunter der Stadtkom- mandant Nikita Lebedenko, sein Vorgänger Aleksej Blagodatov, dessen Stellvertreter Nikolaj Travnikov und Savenok selbst – eines Tages in Moskau trafen, betonten sie, man solle „die Erinnerungen über die Arbeit der Wiener Stadtkommandantur“ niederschreiben. „Alle unterstützten vehement die- sen Gedanken; aber ein Freiwilliger, der dieses schwierige Unterfangen auf 223 Ebd., S. 103.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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