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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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3. Schriftliche Zeugnisse 751 Als Kontrast zur russischen Natur hebt Savenok die engen Gassen, den Ste- phansdom und andere Sehenswürdigkeiten hervor. Wien wäre zwar schön, „aber trotzdem fremd, unbekannt, nicht unseres“.233 Die Fremdheit kommt noch mehrfach bei der Beschreibung seiner ersten Fahrt durch das Zentrum zum Ausdruck: „Erneut fremde Häuser, fremde Denkmäler, fremde Straßen- namen: Kärntnerstraße, Opernstraße, Elisabethstraße …“234 Erst der Anblick der sowjetischen Stadtkommandantur am Ring stimmt ihn positiv: „Und plötz- lich schlägt das Herz freudig höher: Auf der Fassade des massiven Gebäudes der Kommandantur gibt es ein großes Leninporträt, unseren fünfzackigen Stern aus roter Seide, unsere Staatsfahne und beim Eingang unsere eigenen Maschinenpistolenschützen. Wie ein Teil der Heimaterde in dieser unbekann- ten, fremden Stadt.“235 Auf das Leninporträt und seine Rolle als „ein teures Stück Heimat in der Fremde“ kommt Savenok noch mehrfach zu sprechen.236 Auch die Menschen empfindet er zunächst als fremd. Diesen Eindruck vermittelt er über die Schilderung seines Vorgängers, Ivan Aleksandrovič Pe- rervin, der von den Spezifika seiner Arbeit erzählt: Viele Wiener seien in die Kommandantur gekommen, um Hilfe anzubieten, um Hilfe zu erbitten oder um Rat zu fragen. „Das Wichtigste ist, dass du nicht sofort verstehst, wer ein Freund und wer ein Feind ist“, betont Perervin. „Das Wesentlichste ist die unverständliche Psychologie der Menschen aus einer anderen, uns fremden Welt.“237 Offensichtlich wollte der Autor gegenüber den sowjetischen Lesern zu- nächst seine patriotische, prosowjetische Haltung verdeutlichen. Es sollte wohl nicht der Eindruck entstehen, er wäre bereitwillig in dieses westliche, kapitalistische Land gefahren. Euphorische Erinnerungen an Wien, wie sie in vielen der Interviews zu spüren sind, haben hier – zumindest eingangs – keinen Platz. Čepiks Aufgabe besteht daher zunächst darin, beim Icherzäh- ler Sympathien für Wien zu wecken. Somit kann Savenok seinem Publikum plausibel erklären, weswegen er trotz anfänglicher Abneigung gewisse Seiten an Österreich schließlich schätzen lernte. 3.2.2 Österreichische Feindbilder Die Frage, wer ein Feind bzw. ein Freund der Sowjets ist, zieht sich durch das gesamte Buch. Anhand einzelner Charaktere porträtiert Savenok die unter- 233 Ebd. 234 Ebd. Die Straßennamen sind im Original auf Deutsch in kyrillischer Transliteration geschrieben. 235 Ebd. 236 Ebd., S. 62–66. 237 Ebd., S. 28.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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