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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 753 -
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3. Schriftliche Zeugnisse 753 daten, scheitert jedoch.243 Die beabsichtigte Wirkung dieser Passage ist ein- deutig: Sie soll dem sowjetischen Leser die Dreistigkeit mancher Kapitalisten vor Augen führen, die nicht einmal davor zurückschrecken, sich am Geden- ken an gefallene Rotarmisten zu bereichern. 3.2.3 Spione des Vatikans und Kirchenfürsten Savenoks besonderer Hass gilt aber den Priestern. Das wird schon zu Beginn deutlich, wenn der Autor österreichische Geistliche als Heuchler brandmarkt. Ei- ner Österreicherin legt er die Worte in den Mund, Priester hätten Lügengeschich- ten über die Russen verbreitet, um die Bevölkerung einzuschüchtern.244 Wenig später betont er die Unterstützung von Nationalsozialisten durch Priester: In ei- ner Kirche in Simmering entdeckte eine sowjetische Patrouille „eine Gruppe von Hitleristen. Viele Waffen wurden abgenommen. Ich meine, dass daran der Pries- ter schuld ist“, rekonstruiert er die Schilderung des Leiters der Wachabteilung.245 Außerdem erzählt Perervin von einem polnischen Priester, der sich als Spion des Vatikans herausstellte und nach seiner Heimkehr Stimmung gegen die Sowjet- union machte. Er warnt den Autor vor „diesen verfluchten Popen“.246 Den Höhepunkt der antiklerikalen Polemik bildet das umfangreiche Un- terkapitel „Seine hochwürdigste Eminenz“, worin Savenok Kardinal Theodor Innitzer charakterisiert, indem er sich an Perervins Ausführungen erinnert: „Er trägt eine schwarze Soutane und ein dunkelrotes Birett. Seine gesamte Erscheinung signalisiert das Bewusstsein unanfechtbarer Macht, der der Mensch ausgeliefert ist: Sie ist ihm durch den heiligsten Vater, den ‚Stellver- treter Gottes‘ auf Erden, gegeben.“247 Bei einer Unterredung mit Stadtkommandant Blagodatov wird Innitzer von einem Dolmetscher mit polnischem Akzent begleitet. Diese Figur dient offensichtlich dazu, die Aversion der Leserschaft gegen die kirchlichen Wür- denträger zu schüren: „Hinter dem Kardinal geht ehrerbietig ein kleiner Mann. Neben dem Kardinal sieht er wie ein Zwerg aus. Und, bitte, nicht nur, weil er viel kleiner ist. Eher ist daran sein unansehnliches Äußeres schuld. Ein blasses, dünnes Gesicht. Über den tief liegenden Augen weiße Augen- brauen. Wenige farblose Haare umrahmen eine hohe Glatze. Er gehört jener Kategorie von Menschen an, deren Alter man nicht schätzen kann. […] Aber in seinen farblosen, wässrigen Augen gibt es nicht nur Demut und Unterwür- 243 Savenok, Venskie vstreči, S. 41–43. 244 Ebd., S. 24. 245 Ebd., S. 30. 246 Ebd., S. 32f. 247 Ebd., S. 200. Vgl. dazu auch Reitinger, Österreich in den Augen der Sowjetliteratur, S. 113.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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