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III. Formen der
Erinnerung754
figkeit: Das ist ein Iltis, der den Demütigen spielt, aber einem jederzeit an die
Gurgel springen kann.“248
Nach dem verbalen „Duell“ zwischen Blagodatov und Innitzer beschreibt
Savenok die unterwürfige Reaktion der österreichischen Bevölkerung, die
den Kardinal auf der Straße sieht: „Alle wenden sich dem Eingang der Kom-
mandantur zu und neigen demütig die Köpfe. Und Blagodatov und Perervin
sehen nur gebeugte Rücken, Rücken, Rücken. Aber der strenge, verschlos-
sene Kardinal geht langsam über den Gehsteig, ohne die ehrerbietigen Ver-
beugungen zu beachten oder seine demütige Gemeinde auch nur mit einem
Blick zu würdigen.“ Gleichzeitig erwähnt Perervin, wie „dieser Kirchenfürst
im Stephansdom“ nach dem „Anschluss“ für Hitler einen Gottesdienst las.249
Unmissverständlicher hätte der Autor das Feindbild Priester wohl kaum
transportieren können. Der Feindkategorie schlägt er aber auch noch andere
Gruppen zu, allen voran die US-Amerikaner.
3.2.4 Amerikanische Rowdys
Das Buch erschien zu einer Zeit, als der Kalte Krieg einen neuen Höhe-
punkt erreichte. So überrascht es keineswegs, dass sich der West-Ost-Kon-
flikt auch in „Venskie vstreči“ widerspiegelt, zumal Savenok, der 1925 der
KPdSU beitrat und 1937 die Militärpolitische Akademie in Moskau abschloss,
als ehemaliger „Zampolit“ in Wien für die Propagierung von Freund- bzw.
248 Savenok, Venskie vstreči, S. 201.
249 Ebd., S. 205. Abb. 127: Savenoks Erinne-
rungen „Venskie vstreči“ sind
von antiklerikaler Polemik
durchzogen. (Quelle: AdBIK,
Foto: Zajcev)
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918