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3. Schriftliche Zeugnisse 757
Doch damit ist der Zwischenfall noch nicht erledigt. Die interalliierte Mili-
tärpatrouille fährt vor, nimmt alle vier Besatzungssoldaten fest und übergibt
sie der Interalliierten Kommandantur, berichtet Perervin. Sie werden Lebe-
denko zur weiteren Bestrafung übergeben, der fünf Tage Arrest über sie ver-
hängt, was er anschließend jedoch bereut: „Lebedenko ist gereizt. ‚Ich habe
die Burschen ungerechtfertigt zur Verantwortung gezogen. Ungerechtfertigt.
Ihre ganze Schuld besteht darin, dass sie dem Mädchen zu Hilfe kamen.‘“260
3.2.5 Österreichische Freunde
Ausführlich widmet sich Savenok zudem der Kategorie der Freunde, zu
denen – abgesehen von österreichischen Kommunisten – Arbeiter, einfache
Leute, aber auch ein Professor für Geschichte oder ein Ingenieur gehören.
Vielfach dienen diese Geschichten dazu, die Dankbarkeit der Bevölkerung
gegenüber der Roten Armee zu illustrieren, wodurch die eigenen Heldenta-
ten zusätzlich hervorgehoben werden.
Unmittelbar auf den geschilderten Fall des geldgierigen Goc folgt das Un-
terkapitel „Astern“, in dem Perervin die Begegnung mit drei Wienerinnen
wiedergibt. Treffen dieser Art „wärmen das Herz“, möchten einen „besser,
reiner, ehrlicher“ werden lassen, erinnern an Heimatliches, so die Einleitung.
Die Frauen bitten Blagodatov, ein Grab sowjetischer Soldaten, „die im Kampf
für unser Wien fielen“, mit Blumen schmücken zu dürfen. Als Erklärung
führt eine der Frauen an, dass auch ihre Angehörigen im Krieg ihr Leben
verloren hätten: „Sie alle starben für eine gemeinsame Sache – damit unser
Leben ehrlich und gerecht ist. Dafür starben auch Ihre Soldaten, als sie die
Faschisten aus Wien vertrieben. Sie alle – unsere Lieben und Ihre Soldaten
– sind Brüder.“261 Ihr Auftreten wird sympathisch porträtiert: „Sie redet lang-
sam, beherrscht. In den von Fältchen umrahmten Augen liegen tief verborge-
ner Kummer und ruhige Klarheit, charakteristisch für einen Menschen, der
von der Richtigkeit seiner Sache überzeugt ist.“262
Auch im folgenden, Karl Renner gewidmeten Unterkapitel stehen einige
Freunde im Mittelpunkt. Čepik meldet die Ankunft von Gästen: „Die Ge-
nossen Weber und Zucker263 sind eingetroffen. Und ein Herr Ulmach“, wo-
raufhin Perervin sie hereinbittet: „Ah, na dann willkommen. Das ist etwas
anderes. Georgij Michajlovič, Sie müssen sich unbedingt mit ihnen bekannt
260 Ebd.
261 Ebd., S. 45f.
262 Ebd., S. 44.
263 Hierbei handelt es sich um Erwin Zucker-Schilling (1903–1985).
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918