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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 765 -
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765 Resümee inne, wobei ihre Truppen auch eindeutig am stärksten in Österreich vertreten waren: 400.000 Mann der 2. und 3. Ukrainischen Front machten die „totale Besetzung“3 augenfällig. Diese Truppenstärke sank bis Herbst 1945 um etwa die Hälfte auf 180.000 bis 200.000 Mann und bis Jahresbeginn 1946 auf rund 150.000 Personen. Neben den Militärangehörigen waren Diplomaten, Ge- heimdienstler, Journalisten, Dolmetscher, Erdölspezialisten und – wenn der Rang stimmte – deren Familienmitglieder über die unterschiedlichen Einrich- tungen des sowjetischen Besatzungsapparates in Österreich stationiert. Sie alle hatten bestimmte Funktionen zu erfüllen und waren einer streng hierar- chischen Struktur untergeordnet. Die Rote Armee war jene sowjetische Institution, die nicht nur zahlenmä- ßig am stärksten in Österreich vertreten war, sondern mit der die österrei- chische Bevölkerung auch als Erstes und am unmittelbarsten in Berührung kam. Gerade zu Kriegsende und in der frühen Besatzungszeit waren Stalins Soldaten in Ostösterreich beinahe omnipräsent. Alle weiteren Institutionen des Besatzungsapparates – mit Ausnahme der geheimdienstlichen – trafen auf Situationen und Strukturen, die bereits vom Militär geschaffen worden waren. Die Rotarmisten prägten am nachhaltigsten das Bild von „den Rus- sen“ in Österreich. Bereits ab Anfang April 1945 wurden in allen größeren, sowjetisch besetz- ten Ortschaften provisorische Militärkommandanturen errichtet, deren pri- märe Aufgabe in der „Aufrechterhaltung der Ordnung“ bestand. Die Bevöl- kerung erfuhr, dass sich „alle Gewalt“ in der Person des Ortskommandanten konzentrierte, dessen Anordnungen als Gesetze zu respektieren waren. Ohne weitgehende Vorbereitungen fielen den Militärs administrative Aufgaben zu, die von der Sicherstellung der Ernährung der hungernden Bevölkerung über die Einsetzung österreichischer Bürgermeister bis hin zur Etablierung der provisorischen Regierung unter Karl Renner reichten. Doch hatte die Armee vor allem auch mit Problemen in den eigenen Rei- hen zu kämpfen. Eindringlich mahnte man die Kommandanten, „den Ver- suchungen des Lebens [zu] widerstehen“, sich „in gebührender Weise“ zu benehmen sowie „allzeit daran [zu] denken, dass er ein Repräsentant der Ro- ten Armee der Großen Sowjetunion ist“.4 Bereits im September 1945 reagierte der Oberbefehlshaber der Zentralen Gruppe der Streitkräfte, Marschall Ivan Konev, mit einer neuen Weisung an die Militärkommandanten. Zu diesem 3 Rauchensteiner, Der Sonderfall, S. 81. 4 CAMO, F. 243, op. 2922, d. 49, S. 168–177, Provisorische Verordnung über die Militärkommandan- turen auf dem von der 3. Ukrainischen Front eingenommenen Gebiet Österreichs, 20.4.1945. Abge- druckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 59.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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