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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 766 -
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Resümee766 Zeitpunkt hatte sich herauskristallisiert, wo die wunden Punkte der Armee während ihres Österreicheinsatzes lagen: Einhaltung der Disziplin, Tragen der vorgeschriebenen militärischen Uniform, nötigenfalls mehrstündige Exerzierausbildung, Unterbindung von Marodieren und illegaler Beschlag- nahme österreichischen Eigentums, Ahndung von Schwarzmarktgeschäften, Verbot des Besuchs von Volksfesten, Nachtlokalen, Cafés und – gültig für den Mannschafts- und Unteroffiziersstand – von Gaststätten mit Alkohol- ausschank, Verhaftung von Armeeangehörigen, die in „nicht nüchternem Zustand“ auf öffentlichen Plätzen angetroffen wurden, sowie das Verbot an lokale Behörden, einzelne Armeeangehörige ohne Erlaubnis des Militärkom- mandanten über Nacht zu beherbergen. Die Militärkommandanten waren verpflichtet, „verbrecherische Elemen- te“ der Gegenspionage „Smerš“ zu übergeben, die ihrerseits zur „Schatten- ebene“ gehörte. Das am Schnittpunkt zwischen Ost und West gelegene, vier- geteilte Österreich sollte ab April 1945 Operationsgebiet der sowjetischen Aufklärungsdienste und Spionageorganisationen werden. Hier prallten die Interessen der USA und der UdSSR aufeinander, hier kam es zu einer Projek- tion des Konfliktes zweier Weltanschauungen und zweier unterschiedlicher Systeme. Moskau spannte ab April 1945 ein geheimdienstliches Netz über österreichischen Boden, in dem insgesamt vier sowjetische Geheimdienste agierten. In vielen Bereichen entstand ein Parallelismus, die Tätigkeit der ein- zelnen Netze überlappte und duplizierte sich, und die ausgedehnte Doppel- arbeit führte nicht selten zu Misstrauen unter den rivalisierenden Organen. Die in Österreich bis 1946 tätigen Grenztruppen des NKVD/MVD waren nicht nur für „Säuberungsaktionen“ im sowjetisch besetzten Gebiet zustän- dig, sondern bespitzelten auch die eigenen Militärangehörigen. Bei groß angelegten Razzien nahmen sie „feindliche Elemente“ unter der österreichi- schen Bevölkerung, aber auch unter den sowjetischen Soldaten fest. Mit der Verwaltung Österreichs war der Sowjetische Teil der Alliierten Kommission betraut. Bezeichnenderweise hinkte jedoch die Einigung in die- sem administrativen Bereich den militärischen Ereignissen nach: Per 4. Juli 1945 wurde die Einrichtung der sogenannten SČSK beschlossen. Am selben Tag unterzeichneten die Vertreter der Vier Mächte in der Europäischen Bera- tenden Kommission das „Abkommen über die Alliierte Kontrolle in Öster- reich“ (bekannt als „Erstes Kontrollabkommen“). Dieses sah die Errichtung einer Alliierten Kommission, an deren Spitze der aus den vier Militärkom- missaren gebildete Alliierte Rat stehen sollte, eines Exekutivkomitees und der Abteilungen der Alliierten Kommission vor. Der Sowjetische Teil der Alliierten Kommission wurde – wie auch die Mi- litärkommandanturen – mehreren Überprüfungen aufgrund „einer Reihe
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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