Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 771 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 771 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

Bild der Seite - 771 -

Bild der Seite - 771 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

Text der Seite - 771 -

771 Resümee soldaten verhängte das Militärtribunal der Zentralen Gruppe der Streitkräfte in Baden wegen dieses Deliktes die Todesstrafe. Wie bei allen unerfreulichen Vorfällen in der Armee zog man auch hier die Vorgesetzten zur Verantwor- tung und gab – einmal mehr – fehlender politisch-ideologischer Schulung die Schuld. Die Rote Armee war schließlich eine politische Armee. Die Deserteu- re wären schlicht dem „Einfluss der uns umgebenden bourgeoisen Kreise“ erlegen, hieß es in einem NKVD-Bericht. In die Kategorie „unerlaubtes Entfernen von der Truppe“ fielen kurze, un- erlaubte Ausflüge in die nächstgelegene Stadt. Wurden derartige Vorfälle be- kannt, mussten auch hier die Vorgesetzten die Verantwortung übernehmen. Außerdem verübten die Delinquenten während des unerlaubten Fernblei- bens häufig weitere Vergehen, besonders das vorhin erwähnte „amoralische Verhalten“ der Trunksucht. Manche betranken sich bis zur Bewusstlosigkeit, was mit zehn Tagen strengem Arrest bestraft wurde. Wenn hingegen in die- ser Zeit ein Kino besucht wurde, betrug die Strafe fünf Tage strengen Arrests. Straftaten gingen nicht allein von Angehörigen der sowjetischen Besat- zungstruppen aus, sondern richteten sich mitunter auch gegen sie. Dazu zählten Beschimpfungen von Wachposten, Diebstähle aus Garnisonen, Züch- tigungen von sowjetischen Kindern, Unfälle und Vergiftungen ebenso wie Mord und Prügeleien. Letztere zettelten Einheimische zumeist im Wissen um die eigene Überzahl und infolge reichlichen Alkoholkonsums an. Einige Ös- terreicher erhielten für Straftaten zum Nachteil sowjetischer Militärangehö- riger langjährige Haftstrafen. So konnten Autounfälle, bei denen sowjetische Besatzungsangehörige zu Schaden kamen, oder der Verkauf von Methylalko- hol, der zu Erblindung oder im schlimmsten Fall zum Tod führte, mit lang- jährigen GULAG-Strafen geahndet werden. Insgesamt wurden rund 1000 Österreicherinnen und Österreicher von sowjetischen Gerichten verurteilt und in die Sowjetunion verschleppt. Zu den häufigsten Verurteilungsgrün- den zählten antisowjetische Spionage, „Werwolf“-Zugehörigkeit, Kriegsver- brechen, illegaler Waffenbesitz oder Vergehen gegenüber Besatzungssolda- ten. Doch auch für die betroffenen sowjetischen Militärangehörigen blieben Vorfälle wie körperliche Übergriffe nicht ohne Konsequenzen. Sie hatten sich etwa der unangenehmen Frage zu stellen, weshalb sie sich zum Zeitpunkt des Geschehens in Lokalen aufgehalten und getrunken hatten. Gerade vor dem Hintergrund des Kalten Krieges galten außerdem sexuelle Beziehungen zwischen sowjetischen Armeeangehörigen und Österreicherin- nen als „politisch folgenschwer“; Eheschließungen waren ausdrücklich un- tersagt. Der Kreml fürchtete Ausländerinnen als „epidemiologische Waffe“ in den Händen des „Feindes“, die über die Infektion mit Geschlechtskrank- heiten Moral und Kampfkraft sowjetischer Militärangehöriger schwächen
zurück zum  Buch Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955"
Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Stalins Soldaten in Österreich