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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 773 -
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Seite - 773 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

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773 Resümee ten Armee, die sich selbst als „Befreierin“ und „Friedensbringerin“ definierte, fügten die Vergewaltigungen jedenfalls nachhaltigen Schaden zu. Nach au- ßen hin reagierten die sowjetischen Stellen mit dem Versuch, derartige Vor- fälle zu bagatellisieren oder totzuschweigen. Die überlieferten Reaktionen von Stalin passen genau in dieses Bild. Als Resultat freiwilliger sexueller Beziehungen, aber auch als Folge von Vergewaltigungen kamen Tausende „Besatzungskinder“ auf die Welt. Sie galten als „Kinder des Feindes“, obwohl die Väter de jure keine Feinde mehr waren. Oft waren sie – gemeinsam mit ihren Müttern – unterschiedlichen Formen von Diskriminierung ausgesetzt. Gerade die „Russenkinder“ bilde- ten eine Generation „vaterloser“ Töchter und Söhne, die ihre Kindheit häufig bei Tanten, Groß- oder Pflegeeltern verbrachte. Ohne Unterhaltszahlungen lebten viele dieser „unvollständigen“ Familien in finanziell schwierigsten Verhältnissen. Die meisten Armeeangehörigen wurden sogar zurück in die UdSSR versetzt, sobald eine derartige Liaison publik wurde. Jahrzehntelang war ein Kontakt beinahe unmöglich. Oft umgab die Betroffenen eine Mauer des Schweigens, die manche bis heute nicht durchbrechen konnten. Fragen nach der eigenen Identität und die Suche nach den „Wurzeln“ waren meist die Folge, die vielfach auf die nächsten beiden Generationen übertragen wurden. Doch auch Väter versuchten, oft erst im hohen Alter, ihre „österrei- chischen“ Kinder, die die wenigsten jemals auch nur zu Gesicht bekommen hatten, auszuforschen. Ein Gesamtüberblick über Besatzungskinder in ganz Österreich, ihre Sozialisations- und Lebensbedingungen sowie ihre weiteren Biografien steht bisher noch aus. Trotz der großen Präsenz der Besatzungssoldaten und der zahlreichen überlieferten österreichischen Berichte über Vorfälle mit „Männern in Uni- form“ war bisher kaum etwas über den „sowjetischen“ Alltag in Österreich, ihre Freizeitaktivitäten, Verpflegung oder den Tagesablauf bekannt. In Form eines Perspektivenwechsels sollte die Mikroebene Lebenswelt aus sowjeti- scher Sicht rekonstruiert werden. Dabei zeigt sich, dass Ausbildung, Sport und Gefechtsübungen einen Großteil des Alltags sowjetischer Soldaten ein- nahmen und vor allem die einfachen Soldaten einem strikten Aufgabenre- glement unterzogen wurden. Generell unterlag der Tagesablauf der Rotar- misten einer strengen Reglementierung. Die Pflege von Waffen, Ausrüstung und Kleidung gehörte ebenso zu diesen wiederkehrenden Pflichten wie die Absolvierung von Politschulungen oder das Sauberhalten von Unterkünf- ten. Gerade in der frühen Besatzungszeit war es schwierig, geeignete Unter- künfte für die großen Kontingente der Roten Armee zu finden. Aufgelassene Kriegsgefangenenlager und ehemalige Kasernen der Deutschen Wehrmacht wurden ebenso genutzt wie beschlagnahmte Häuser, Klöster, Schlösser oder
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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