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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 775 -
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775 Resümee Die Besatzungsangehörigen selbst genossen üblicherweise genügend Freiheiten, um zumindest peripher am österreichischen Leben teilnehmen zu können. Erkundungen von Wien, dem Wienerwald, der näheren Umge- bung, aber teilweise auch der westlichen Besatzungszonen gehörten ebenso dazu wie ein reges Kulturprogramm und sportliche Aktivitäten. In Bereichen wie der Jagd und Fischerei prallten die Interessen der sowjetischen und ös- terreichischen Seite wiederholt aufeinander. Fischen mit Dynamit oder Jagen außerhalb der einheimischen Regeln führte zu einem Kampf um die Ressour- cen, aber auch zu Unmut darüber, dass sich die Besatzer etwas nahmen, was ihnen aus österreichischer Sicht nicht zustand. Eine möglichst sinnvolle Freizeitgestaltung sollte zusätzlich zur Stärkung der – besonders anfangs nur spärlich vorhandenen – Disziplin beitragen. Eine wichtige Rolle spielten dabei die „Häuser der Offiziere“, die ein reges Kulturprogramm und sportliche Aktivitäten für Offiziere und deren Famili- enmitglieder anboten. Sie sollten Zentren der kulturell-erzieherischen Arbeit und als Vermittler der kommunistischen Ideologie dienen. Die größte und aktivste dieser Einrichtungen war das im November 1945 gegründete „Haus der Offiziere“ in der Wiener Hofburg. Analog dazu boten die sogenannten „Leninzimmer“ den Soldaten und Unteroffizieren ein organisiertes Freizeit- programm. De facto boten sich den Armeeangehörigen jedoch immer wieder Möglichkeiten, den strengen Vorgaben – wenigstens vorübergehend – zu ent- kommen. Ein straff durchorganisierter Dienstplan, die umfangreiche politische Er- ziehung und eine vernünftige, kultivierte Freizeitgestaltung sollten die Dis- ziplin der Besatzungssoldaten steigern und das „moralisch psychologische Trauma“,10 das der Kontrast zwischen dem Lebensniveau in Europa und je- nem in der sowjetischen Heimat auslösen konnte, vermindern. Daher wurde zudem besonderer Wert auf die Zelebrierung sowjetischer Riten, Feiertage und Jubiläen während des Auslandseinsatzes gelegt. Dazu gehörte die Bege- hung von Festtagen des sozialistischen Jahreskreises wie der Tag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution ebenso wie Bestattungszeremonien. Wie bereits erwähnt, verloren rund 26.000 sowjetische Militärangehörige zu Kriegsende ihr Leben und wurden in Österreich bestattet. Nach dem Ende der Kampfhandlungen nahm die Todesrate in den sowjetischen Besatzungs- truppen drastisch ab. Die häufigsten Todesursachen stellten fortan Unfälle im Straßen- und Schienenverkehr sowie bei militärischen Manövern, Alko- holvergiftungen oder übermäßiger Alkoholkonsum sowie Krankheiten dar. Belegt sind außerdem Fälle von Mord, fahrlässiger Tötung und Selbstmord, 10 Simonow, Aus der Sicht meiner Generation, S. 104.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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