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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Resümee776 wobei Letzteres als „amoralische Erscheinung“ galt. Die sowjetischen Grab- anlagen hinterließen mit ihren meist in Kyrillisch vorgenommenen Inschrif- ten und der äußeren Form der Monumente eine ebenso dauerhafte wie – zu- mindest auf den zweiten Blick – sichtbare Spur im „steinernen Gedächtnis“ Österreichs. Öffentlich zelebriert wurden auch die zahllosen Kranzniederlegungen und Ehrenformationen an den Gräbern österreichischer Komponisten, allen vo- ran von Johann Strauß, die nicht nur die Hochachtung für die österreichische Musik und Kultur unterstreichen, sondern auch Vorurteile gegenüber der „sowjetischen Barbarei“ entkräften sollten. Der Walzerkönig – und mit ihm ein musikalisches Genre – entwickelte sich zum akustisch-visuellen Symbol für das aus sowjetischer Sicht erfolgreiche Aufeinandertreffen zweier militä- rischer und ideologischer Gegner zu Kriegsende. Auslöser dafür war der Hollywoodfilm „The Great Waltz“, der ab Mitte 1940 als Beutefilm in den sowjetischen Kinos lief und enorme Popularität er- reichte. Er prägte insbesondere die Generation des „Großen Vaterländischen Krieges“ und somit jene Rotarmisten, die nur kurze Zeit später nach Öster- reich kamen. Kranzniederlegungen am Grabmal von Johann Strauß stellten daher einen der wichtigsten Bestandteile der sowjetischen Ikonografie von der Befreiung Österreichs dar. Dieser Topos findet sich sowohl in zeitgenös- sischen Medien als auch in retrospektiven literarischen wie mündlichen Er- innerungen. Über Jahrzehnte wurde in der (ehemaligen) Sowjetunion die Erinnerung an den „Großen Vaterländischen Krieg“ in den verschiedensten Ausdrucks- formen wachgehalten und immer wieder neu aktiviert, wodurch sie sich zu einem tief verinnerlichten kulturellen Handlungsrahmen entwickelte. Einen maßgeblichen Beitrag dazu leisteten Gedenkstätten und Museen, die als Bestandteil der privaten Lebenswelt zu Anlässen wie Hochzeiten besucht wurden. Die jährlichen Feierlichkeiten zum „Tag des Sieges über den Hitler- faschismus“ am 9. Mai bildeten den bedeutendsten Höhepunkt in der offizi- ellen sowjetischen Chronotopie des Erinnerns. Gerade in den vergangenen Jahren entwickelte sich der Sieg über den Faschismus in Ermangelung ande- rer gesellschaftlicher Bindemittel zum Hauptpfeiler der nationalen Identität. Emotional und moralisch bedient die postsowjetische Erinnerungskultur den Stolz auf eine ruhmreiche Vergangenheit, welche in die als weniger glorreich empfundene Gegenwart hineinreicht. Die Erinnerung an negative Aspekte von Kriegsende und Besatzung hat darin kaum Platz. Dies entspricht dem Grundtenor in sowjetischen Memoiren über die Be- satzungszeit in Österreich, aber auch in Oral-History-Interviews. Viele der sowjetischen Besatzungsangehörigen in Österreich sammelten durchaus
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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