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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 777 -
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Seite - 777 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

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777 Resümee positive Erfahrungen, erlebten – gerade vor dem Hintergrund des zu Ende gegangenen grausamen Krieges – einen vergleichsweise glücklichen Lebens- abschnitt, wodurch sie schwärmerische Gefühle auf die Wahrnehmung des Landes als Ganzes übertrugen. Die Assoziationskette von „Frühling – Sieg – Jugend – Straußwalzer – Liebe“ ist bis heute positiv konnotiert und mitunter romantisch verklärt. Gerade Mitglieder von Veteranenverbänden versuchen, ein durchgehend positives Bild der Roten Armee zu vermitteln. Sie verweisen auf die großen Opfer, die für die Befreiung erbracht wurden, auf Heldentaten, auf die größ- tenteils positive Einstellung der österreichischen Bevölkerung den sowjeti- schen „Befreiern“ gegenüber und schließlich auf das vorbildliche Verhalten, das sie selbst an den Tag gelegt hätten. Vergewaltigungen werden weitest- gehend tabuisiert oder nur am Rande erwähnt, Plünderungen primär im Kontext der ab Dezember 1944 erlaubten Paketsendungen und der großen materiellen Not in der Heimat thematisiert. Repräsentative Beutestücke wa- ren ebenso begehrenswert wie selten gewordene Genussmittel und einfache Alltagsgegenstände. Die Pakete werden als wichtige, positiv konnotierte Ver- sorgungsquelle für die Familie in der Sowjetunion geschildert. In ähnlicher Weise transportieren die in den vergangenen Jahrzehnten veröffentlichten Erinnerungen und Dokumentarfilme den offiziellen sow- jetischen Geschichtskanon vom heroischen Einsatz der Roten Armee. Der traditionellen Freund-Feind-Dichotomie des Kalten Krieges verhaftet, dis- kreditieren Werke wie „Wiener Treffen“ des ehemaligen Politoffiziers Gri- gorij Savenok etwa US-amerikanische Armeeangehörige als undisziplinierte Marodeure und rücksichtslose Gewalttäter. Zu den Feindbildern gehören außerdem „vatikanische Spione“, Kirchenfürsten, Kapitalisten und Vertreter der Bourgeoisie, die den kommunistischen „Freunden“ gegenübergestellt werden. Vielfach entspricht das gezeichnete Selbstbild dem symptomatischen Titel der Armeezeitung „Za čest’ Rodiny“ („Für die Ehre der Heimat“), die für die sowjetischen Militärangehörigen in Österreich und Ungarn herausgegeben wurde. Die Redaktion und Druckerei dieses Blattes, das während des Krieges die zentrale Zeitung der 1. Ukrainischen Front gewesen war und nach Kriegs- ende die wichtigste Zeitung der Zentralen Gruppe der Streitkräfte wurde, befanden sich im Gebäude der Rotationsdruckerei Wien 1, Am Fleischmarkt 3–5. In dieser ab 1945 an den kommunistischen Globus Verlag verpachteten Druckerei befand sich unter anderem auch die Redaktion und Produktion der „Österreichischen Zeitung“. „Za čest’ Rodiny“ verfolgte ein dreifaches Anliegen: Sie sollte die in Öster- reich und Ungarn stationierten sowjetischen Armeeangehörigen Nachrichten
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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