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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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Auch die Beschreibung ihrer Auftrittskontexte veränderte sich. So schrieb sie bei der Beschreibung ihres ersten (schlussendlich nicht realisierten) Engagements noch ausführlich über Bezahlung, Vertragsmodalitäten und die Schwierigkeiten einer neuen Umgebung: Allerdings nur auf ein Probejahr und mit der Monatsgage von 150 M  – aber doch bin ich glücklich  […] Für 100 M kriege ich in Stuttgart eine gute, volle Pension, sagt sie; so habe ich 50 M für mich  […] Ein Jahr muß man immer mit wenig zufrieden sein, und dafür, daß man selten herankommt, ist das auch genug  […] Moralisch bin ich also völlig gesichert: in allem habe ich den Intendanten, der mir Stütze und Halt sein wird, und seine Familie.110 Spätere Auftritte wurden im Gegensatz dazu vor allem über ihren künstlerischen Wert  – „gab mir größte Konzentration, begeisterte Hingabe an mein künstlerisches Werk“ 111  – und/oder ihre Auswirkung auf Lehmanns Popularität  – „Schöne Erfolge sind nicht genug, in Amerika wirklich festen Fuß zu fassen; ich meine: wirklich populär zu werden“ 112  – beschrieben. Die künstlerische Konstruktion der Auftritte und Auftrittskontexte wurde vor allem mit fortlaufender Dauer der Laufbahn  – in Lehmanns Erzählung: mit fortlaufendem Aufstieg  – verwirklicht. Die Beschreibung des eigenen Lebens als Aneinanderreihung musikalischer Erleb- nisse stellte ebenfalls eine Erzählpraktik dar, die zur Positionierung als KünstlerIn beitragen konnte. Lehmanns Erzählung weist in dieser Hinsicht einen Bruch auf: Wurde in der Darstellung ihrer Kindheit und frühen Jugend, welche etwa ein Sechs- tel der Gesamterzählung einnimmt, kaum einmal auf Musizieren Bezug genommen, so beschrieb sie ihr Leben nach der Entdeckung ihres Gesangtalents und der darauf folgenden Aufnahme an die Hochschule für Musik als von Musizieren dominiert.113 Kaum eine der verbleibenden Seiten, die nicht von einer musikalischen Ausbildung, der Suche nach dem nächsten Engagement oder einem Auftritt berichtet. Wurden Familiäres, Freizeittätigkeiten und anderes Nicht- Musikalisches auch nicht völlig ausgeblendet, so wurde ihnen doch nur ein sehr eingeschränkter Platz zugewiesen.114 110 Ebd., 89. 111 Ebd., 221. 112 Ebd., 183. 113 Lehmanns Erzählform ähnelt im Übrigen jener, die David Gramit als charakteristisch für die „bourgeois male autobiography“ des 19.  Jahrhunderts beschreibt: „the first [part] domi- nated by family and education  – a coming- of- age narrative  – and the second by professional activity” (Gramit, Lives, 167). 114 So wird etwa Lehmanns Eheschließung nur mit ganz wenigen Worten erwähnt, ihre Eltern und ihr Bruder  – die im Kindheits- und Jugendteil großen Platz einnehmen  – nur auf ein paar Seiten. Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO. KG, WIEN KÖLN WEIMAR Musizieren als hohe Kunst134
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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