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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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Es schien in diesem Teil klar zu sein, dass nicht der Familienmensch oder der Frei- zeitmensch, sondern die Künstlerin Lotte Lehmann Thema der Erzählung war. Eine unausgesprochene Abmachung zwischen LeserIn und Schreiberin legte fest, was von Interesse war  – Musizieren und dazugehörige Ausbildungen  – und was nicht.115 Wie der explizite Verweis auf Bekanntheit und Aufstieg konnte auch die Konstruk- tion der Lebensgeschichte als musikalische ein Einsatz für die Positionierung als KünstlerIn sein, wenn sie in Kombination mit anderen derartigen Erfolgseinsätzen verwendet wurde. Kunst, so wurde gefordert, sollte Lebensinhalt sein 116 und nicht bloß Beiwerk zum sonstigen Leben. Ergänzt wurde die musikalische Lebensgeschichte durch die teilweise detail- lierte Darstellung der Auftritte und Auftrittskontexte Lehmanns. Wurden in nicht- künstlerischen Erzählungen Auftritte manchmal mit ein oder zwei Sätzen über Ort und Zeit abgehandelt, so breitete Lehmann sie oftmals auf zwei oder drei Seiten aus. Von der Anbahnung des Auftritts über die Vorbereitung darauf, das Singen selbst bis hin zu dessen Nachbearbeitung durch Bekannte oder KritikerInnen wurde ein Auftritt oftmals als eigene kleine Geschichte erzählt. Diese Detaillierung des Erlebten trug ebenso zum Künstlerin- Sein von Lehmann bei, wie sie es bereits voraussetzte: Eine derartige Beschreibung des Auftritts einer weitgehend unbe- kannten Person würde demgegenüber Unverständnis oder gar den Vorwurf der Anmaßung auslösen. Die Beschreibung von Auftritten beinhaltete auch Bestand- teile, die in nicht- künstlerischen Erzählungen wenig Beachtung fanden: mit dem Auftritt verbundene Gefühle ebenso wie Beschreibungen des Publikums oder der gespielten Stücke. Eine besondere Form der Erzählung, die von KünstlerInnen wie Lehmann verwendet wurde, war die Anekdote. Diese konnte u. a. dazu dienen, die Vertrautheit mit anderen bekannten KünstlerInnen darzustellen. Die Beschreibung des zwanglosen Umgangs mit diesen band Lehmann in das Künstlermilieu ein und bekräftigte so ihren Status. 115 Diese Formulierung soll nicht bedeuten, dass sich der Inhalt autobiografischer Erzählun- gen stets nach den Erwartungen potenzieller LeserInnen richten würde. Ein ganz anderer Fall ist etwa die Erzählung von Josef Steidl, die in den systematischen Vergleich einbezogen wurde. Diese mit „Mein Lebenslauf als Musiker“ betitelte Erzählung eines außerhalb seines Heimat ortes gänzlich unbekannten Musizierenden beinhaltet ebenfalls beinahe ausschließ- lich musikalische Erlebnisse, was die Entdeckerin der Erzählung offensichtlich ratlos machte: Herrmann- Schneider, Lebenslauf. 116 „Außerdem findet sich mittels einer eigentümlichen Übertragung die charismatische Vor- stellung der Künstlerarbeit als einer Berufsideologie, die die Schriftsteller und Künstler seit der Romantik nicht nur in ihren privaten Äußerungen und Bekenntnissen behaupten und illustrieren, sondern bis in die letzten Einzelheiten eines Lebens hinein, das  – genau wie das Werk  – dazu da ist, das ‚Genie‘ des Künstlers zu untermauern“ (Bourdieu, Disposition, 136). Kunst erzählen: Exemplarische Lebensgeschichten 135
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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