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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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In diesen Beschreibungen wird der Gegensatz zum künstlerischen Musizieren, das die Musik selbst in den Vordergrund stellte, deutlich. Es wäre für einen/eine Künst- lerIn schwer denkbar gewesen, in seiner/ihrer Erzählung nennenswerte Teile der Beschreibung der materiellen Bedingungen des Musizierens zu widmen. Die finan- ziellen Umstände des von Bergmann praktizierten Musizierens konnten aber ebenso wichtig oder sogar wichtiger werden als das Musizieren selbst, da nicht- berufliches und nicht- erwerbsmäßiges Musizieren fast immer unter finanziell prekären Voraus- setzungen stattfinden musste.128 Für die Konstruktion von KünstlerInnen- Erzählungen war die Beschreibung des Erzählenden als Individuum zentral. Die Ausbildung musste auf individuelle Talente Bezug nehmen, das eigene Musizieren unverwechselbar sein, die eigene Populari- tät galt als maßgeblich für die Möglichkeit, als KünstlerIn anerkannt zu werden. Bergmanns Erzählung hingegen charakterisierte Musizieren zu einem großen Teil als Anliegen und Tätigkeit von Personengruppen bzw. der Dorfgemeinschaft selbst: „Die Begeisterung unter uns Jugendlichen war zwar überraschend groß, aber es fehlte uns so gut wie alles“ 129; „Ebenso im Jahre 1930 gründeten wir die erste Oberdorfer Blasmusikkapelle.“ 130 Die Verwendung von „wir“ und „uns“ anstelle von „ich“ sowie die beinahe ausschließliche Beschreibung des Musizierens in Kapellen stand im Gegensatz zur Vorstellung vom/von der IndividualkünstlerIn. Wichtig war nicht das eigene Fortkommen, sondern der Erfolg der ganzen Gruppe. Dementspre- chend wurden Auftritte der Musikkapellen ausschließlich bei örtlichen Anlässen erwähnt und die zweite der Kapellen als „Oberdorfer Blasmusikkapelle“ 131 benannt. Bergmanns Erzählung beschreibt die Dorfmusik, wie sie von Bernhard Ecker für diese Zeit charakterisiert wurde: 128 „Wenn aber ab und zu, wie es zweifelsohne vielerorts üblich ist, den mitwirkenden Musi- kern ein kleiner Betrag oder irgendeine Naturalzuwendung von dem Entgelt oder sonst aus irgendeiner Vereinseinnahme abfällt, so stehen solche Zuwendungen in keinem Verhältnis zu den materiellen und ideellen Opfern, die der damit Bedachte im Laufe des ganzen Jahres im Dienste der Allgemeinheit bringt.  […] Wenn ein Musiker an einem Abend einmal ein Bier bezahlt bekommt und ihm einige Geldstücke freiwillig zugesteckt werden, so ist das sicher im Verhältnis zur Leistung weder ein Gewinn noch eine Einnahmequelle!“ (Vorarlberger Landesarchiv, Bezirkshauptmannschaft Bludenz I, II-1934/Zl.  2.348, Bezirkshauptmannschaft Bludenz, Kapellmeister- und Musikerverordnung, Beschwerden über deren Durchführung, 29.  November 1934); „Unsere Landkapellen und Landmusiker. Wer halbwegs Kenntnis vom Lande hat, kennt auch sie.  […] Die Instrumente, die halbwegs erschwinglich sind, kauft man sich selber, das andere wird mühsam zusammengefochten.“ (Alpenländische Musikerzeitung (1935), Feber, 1 – 2, hier 1). 129 Bergmann, Leben, 41. 130 Ebd., 55. 131 Ebd. Kunst erzählen: Exemplarische Lebensgeschichten 139
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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