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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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MusikerIn- Sein erwirkt hatte, sollte ein Anrecht darauf haben, damit seinen/ihren Unterhalt zu verdienen. Diese, im Grunde auch von GegnerInnen des Musikerver- bandes (wie dem Bund der Nichtberufsmusiker) anerkannte Perspektive baute durch- wegs auf allgemein anerkannten Praktiken des Berufs (bzw. der Berufsausbildung, der Berufswahl etc.) auf, die voraussetzten, dass die Entscheidung für einen Beruf dazu berechtigen würde, durch ihn ein Auskommen zu finden. An der Durchsetzung dieser Perspektive arbeiteten beispielsweise die Arbeitsvermittlungen. In öffentlichen Arbeitsämtern wurde durch den Berufsschutz (die Vermittlung nur in Stellen, die dem erlernten Beruf entsprachen) der Beruf sowohl anerkannt als auch gegenüber nichtberuflichen Erwerbsarten privilegiert.22 Diese Praktik half dabei, die Zugehörig- keit zum Musikerberuf trotz Zeiten der Arbeitslosigkeit zu ermöglichen. Auch die Stellenvermittlung des Musikerverbandes  – die im Vergleich mit den öffentlichen Arbeitsämtern ein Vielfaches an Stellen vermittelte  – war in einer Art organisiert, die den Ausschluss von NichtberufsmusikerInnen erlaubte.23 Dennoch konnte der Musikerberuf unter den oben skizzierten wirtschaftlichen Bedingungen nur schwer umgesetzt werden. Die über Jahrzehnte erfolglosen parlamentarischen Eingaben des Musikerverbandes um ein Musikerschutzgesetz sowie die fehlende Erwähnung der Berufsmäßigkeit des Musizierens als Voraussetzung für Erwerb in der Musi- ker- und Kapellmeisterverordnung 1934 zeugen von Widerständen dagegen. Diese Widerstände sind politisch nicht leicht zu lokalisieren: Auf den ersten Blick scheint es, als hätten sich in der Frage der Privilegierung von Beruf sowohl Sozialisten als auch Vertreter ständestaatlicher Ideen getroffen. Und tatsächlich waren die Über- einstimmungen zwischen den sozialistischen Anträgen zu einem Musikerschutz- gesetz in den Zwanzigerjahren und der Musiker- und Kapellmeisterverordnung von 1934, sowie die zwischen den Forderungen der sozialistischen Musikergewerkschaft und denen der ständestaatlichen Interessenvertretung der Musiker recht groß.24 Eine Alternative zu diesem überparteilichen Konsens wird ersichtlich, wenn man die Positionierungen der Nichtberufsmusikerverbände betrachtet. Unter Berufung auf althergebrachte Traditionen wurde dort das Recht auf Gelegenheits- und Ver- einsmusizieren eingefordert und gegen dessen Unterordnung unter das berufliche Musizieren verteidigt. Diese Perspektive wurde auch auf gesetzlicher Ebene im Zuge konkreter Regelungen wirksam.25 22 Vana, Gebrauchsweisen, 264 ff. 23 Oesterreichische Musiker- Zeitung (1925), Nr.  15/16, 63. 24 Diese Übereinstimmungen sprechen auch dagegen, die Musiker- und Kapellmeisterverord- nung einseitig als „typische Schöpfung des österreichischen Ständestaates“ (Zwittkovits, Pflege, 426 f) und als autoritäre Unterdrückung der Nicht- BerufsmusikerInnen zu beschreiben. 25 Siehe Kapitel 2.3.1. Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO. KG, WIEN KÖLN WEIMAR Einen Lebensberuf haben148
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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