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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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Tätigkeiten korrespondierten („Beim Bundesheer“, „In der Glühlampenfabrik“, „Beim Fleischhacker“).48 Die  – im Untersuchungszeitraum durchaus geforderte  – Identi- fikation des eigenen Lebens mit den ausgeübten Unterhaltstätigkeiten wurde also auch in den Erzählungen mit stark negativem Bezug auf Beruf umgesetzt.49 Die Erzählenden konnten oder wollten aber im Gegensatz zu den VerfasserInnen von Berufsbiografien nicht ihren musikalischen Erwerb dafür verwenden, sei es  – wie weiter unten beschrieben wird  –, weil er zu wenig zur Sicherung ihres Lebensunter- haltes beitrug, sei es, weil sich die musikalischen Tätigkeiten nicht als berufsmä- ßiges Musizieren präsentieren ließen. Welche Arten von Unterhaltstätigkeiten sie beschrieben, kann durch weitere Modalitäten spezifiziert werden: Es handelte sich um bezahlte Arbeit (im Gegensatz etwa zur Mithilfe im Haushalt oder zur Sub- sistenzwirtschaft) und oftmals um Arbeit im Rahmen einer Lehre. Während keine geistige Arbeit durchgeführt wurde, finden sich sowohl ungelernte Arbeiten als auch das Absolvieren einer Berufsausbildung  – wie etwa im Falle von Franz Gierer, der als ungelernter Tischler und Holzschuhmacher arbeitete, bevor er eine Maurerlehre begann.50 In den Erzählungen mit negativem Bezug auf Beruf fanden also sowohl berufliche Elemente abseits des Musizierens  – das Praktizieren einer Tätigkeit, die durch eine entsprechende Ausbildung und langfristige Ausübung zum Beruf wurde  – als auch Gelegenheitsarbeiten einen Platz. Die Kombination dieser unterschied- lichen Arten, einen Unterhalt zu verdienen, war charakteristisch für diese Erzäh- lungen. Das zeigt sich auch an der Anzahl unterschiedlicher Unterhaltstätigkeiten, die von drei bis neun und mehr reichen konnte.51 Weder konnten diese Erzählungen als reine Berufserzählungen noch als reiner Kontrast zu Berufserzählungen 52 ver- standen werden. Die in ihnen vorkommenden Unterhaltspraktiken waren Teil des Konfliktes um die Durchsetzung von Berufsarbeit und die weitgehende Abschaf- fung oder Delegitimierung von Gelegenheits- und Nebenerwerbsarbeit. Zwischen 48 Diese Strukturierung durch andere Unterhaltstätigkeiten konnte auch dann ‚passieren‘, wenn die Produktion der Lebensgeschichte stark in einem musikalischen Kontext stand. Ein Bei- spiel dafür ist die vom Volksmusikforscher Walter Deutsch herausgegebene „Lebensgeschichte eines Musikanten“ (Deutsch (Hg.), Geiger- Heini, 9), die ungeachtet des Titels großteils nach nicht- musikalischen Charakterisierungen  – Bäcker, Familienvater und Kaufmann, Cafetier etc.  – strukturiert war. 49 Zur Erzeugung der eigenen Lebensgeschichte als Arbeitsbiografie siehe auch Alheit/Dausien, Arbeiterbiographien, 156 ff. 50 Gierer/Annerl- Gierer (Hg.), Franz Gierer, 17 f. 51 Dieser Aspekt wird durch die Modalitäten 3 – 5 andere Arbeiten, >9 andere Arbeiten sowie >5 andere Arbeiten dargestellt. 52 Für Kontrastformen zu Erzählungen des eigenen Arbeitens als Berufsbiografie siehe Vana, Gebrauchsweisen, 389 ff. Der Lebensberuf als kontinuierliches und ausschließliches Musizieren 155
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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