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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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(ländlichen) Musikverein zum eigenen Vergnügen zu musizieren stellte geradezu das Gegenstück zum Berufsmusizieren da: Es war keine Erwerbsarbeit, erforderte meist keinerlei Vorbildung und gehorchte nicht der Logik der Laufbahn/Karriere (der zufolge eine kontinuierliche Verbesserung der eigenen Position geboten war). Auch die wahrgenommene Qualität des Musizierens  – z. B. aufgrund der Orte, an denen musiziert wurde  – bestimmte darüber, ob es in eine Berufsbiografie Eingang fand. Galt der ländliche Musikverein bestimmten zeitgenössischen Darstellungen zufolge per se schon als Ort des „schlechten“ Musizierens, so galt dies noch mehr für das Gasthaus.73 Auch das Singen von Wienerliedern bürgte für viele für mangelnde künstlerische Qualität.74 Man sieht hier, dass nicht jede Art des Musizierens auch geeignet war, einen/eine BerufsmusikerIn zu erzeugen.75 Wo BerufsmusikerInnen ein Mehr an musikalischen Fähigkeiten zugesprochen wurde,76 waren auch nur Musi- zierkontexte, die ein Mehr an musikalischen Fähigkeiten voraussetzten oder ver- bürgten, zu gebrauchen, um sich als BerufsmusikerIn zu positionieren. Diese Musi- zierkontexte wie Konzertsaal, Oper, aber auch Kino oder Varieté waren allerdings fast ausschließlich in den Städten zu finden. Auf dem Land eine Berufsbiografie zu entwickeln, stellte daher eine Herausforderung dar  – was auch zu der Perspektive beigetragen haben dürfte, wonach es am Lande überhaupt keine erwerbsmäßigen oder berufstätigen KapellmeisterInnen gäbe.77 Neben dem Musizieren in ‚besseren‘ 73 „Zur Genossenschaft der Musiker in Wien gehören nämlich nicht nur Musiker  […] son- dern auch Personen, die durchaus nicht im Stande sind, irgend welche Musik zu machen, außer auf einem Werkel, wie zB Wirthe, oder Leute, die eigentlich Hausmeister, Hifsarbeiter, Taglöhner u. dgl. sind, ein wenig Trommel, Harmonika oder Guitarre spielen  […] und es viel lustiger finden, ein Gewerbe im Gasthaus statt in einer Werkstätte auszuüben.“ (Öster- reichische Musiker- Zeitung (1893), Nr.  2, 7); „… die auf einem bedeutend höheren Niveau steht, als eine gewöhnliche Wirtshauskapelle, die in derartigen Lokalen fast immer ein und dieselben allgemein üblichen Stücke zur Aufführung bringt.“ (Bundesministerium für Justiz (Hg.), Sammlung. 7. Jahrgang, 37 f.). 74 „Die Schrammelmusik ist eine bodenständige und volkstümliche Wiener Musikart, die beim Heurigen, in Weinlokalen usw. zur guten Stimmung der Gäste beizutragen hat  […] wobei es weder auf die stimmliche Ausbildung noch die musikalische Genauigkeit  […] ankommt. Für diese Tätigkeit ist keine musikalische Vorbildung erforderlich. Der Zweck der Darbietung ist nicht der künstlerische Vortrag, sondern die Erzeugung einer guten, den Weingenuß fördern- den Stimmung.“ (Bundesministerium für Justiz (Hg.), Sammlung. 13. Jahrgang, 192) Zum Musizieren von AmateurInnen in Wiener Heurigen siehe Schaller- Pressler, Hochgejubelt. 75 Vgl. dazu etwa auch das Urteil eines Salzburger Bezirksgerichtes über in einem Caféhaus angestellte Musiker: „Den Hauptberuf werden die Beklagten hierin niemals finden, da sie ihre künstlerische Tätigkeit hier nicht voll entfalten können.“ (Bundesministerium für Justiz (Hg.), Sammlung. 6. Jahrgang, 232). 76 Schinko, Annäherungen, 158. 77 Munninger, Gesicht, 4. Der Lebensberuf als kontinuierliches und ausschließliches Musizieren 163
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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