Seite - 167 - in Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Bild der Seite - 167 -
Text der Seite - 167 -
ebenso in einem Orchester der staatlichen Rundfunkanstalt RAVAG, das später in
das Wiener Symphonieorchester umgewandelt wurde. Diese Aufzählung von Musi-
zierstellen als Antwort auf die erste Frage der Interviewerin wurde in den folgenden
Antworten noch um die Thematisierung verschiedener Musizierstile, Musikpro-
gramme und Flötenmodelle sowie um einige Anekdoten zu seinen musikalischen
Auftritten erweitert. Es war sicher auch den Fragen der Interviewerin geschuldet,
dass Wanauseks Erzählung stets im Rahmen des Musikalischen blieb. Doch schon
diese erste Aufzählung von Stellen zeigte den lebensgeschichtlichen Bezug auf
den Lebensberuf des Musizierens. Entsprechend der Erfordernis des Nachweises,
dass immer musiziert wurde, blieb diese Aufzählung vor allem auf den Ort und
eventuell noch die Zeit der Auftritte beschränkt, ohne sie viel auszuschmücken:
Da habe ich eben in Tanzkapellen usw. gespielt, später sind es dann Kinomusiken und
Kaffeehausmusiken geworden
– und vor allem Kurorchester.
[…] Ich habe im Krugerkino
mit 4 Mann gespielt […] Als Klavierspieler war ich anfangs auch tätig, in der Schweiz
habe ich als Barpianist fungiert 90
Ein weiteres Schema, das sich in Wanauseks Erzählung findet, ist jenes des Auf-
stiegs oder der Karriere. Wanausek stieg auf, er kam weiter. Summierte er seine
Tätigkeiten als Kaffeehaus- und Kinomusiker unter „bewegte Anfänge“ 91 (was bereits
auf ein anderes, tendenziell besser gestelltes Musizieren hinwies), so beschrieb er
auch seine letzte Stelle vor 1938 beim Wiener Symphonieorchester unter diesem
Vorzeichen: „[…] und ich habe eine Stelle bekommen – als vierter Flötist. Und
ein Jahr später war ich erster Flötist.
[…] Das ist immer weiter aufwärts gegangen
bis zum Krieg.“ 92
Kamillo Wanauseks Erzählung kann als exemplarische Berufsbiografie gelten. Für
unsere Fragestellung ist es dabei letztlich unerheblich, welchen Anteil die Fragen
der Interviewerin an der Strukturierung der Erzählung hatten. Wichtig ist, dass die
produzierte Erzählung Kamillo Wanausek nahe an der Referenz des Berufes positio-
nierte. Ebenso aussagekräftig wie die oben beschriebenen Aussagen sind Wanauseks
Auslassungen
– etwa über seine nicht-
musikalische Ausbildung, Geschwister, Freizeit,
andere Unterhalte u. a. Auch sie waren notwendig, um die Berufsbiografie zu erzeugen.
90 Ebd.
91 Ebd.
92 Ebd. Beruf erzählen: Exemplarische Lebensgeschichten 167
zurück zum
Buch Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938"
Über die Produktion von Tönen
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
- Titel
- Über die Produktion von Tönen
- Untertitel
- Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
- Autor
- Georg Schinko
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20802-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 310
- Schlagwörter
- Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
- Kategorie
- Kunst und Kultur