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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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7.2 Populärer Erfolg mit Musik: Prätention Die Orientierung, die sich positiv auf die Referenz der Kunst und negativ auf die Referenz des Berufes bezieht, ist die des populären Erfolges (Abbildung 21 links unten). Sie beschreibt Lebensgeschichten, die als Aufstieg  – von den mühevollen Anfängen zu erfolgreicheren Positionen  – erzählt wurden und deren Endpunkt der (in gewissem Sinne außermusikalische) Erfolg war. Musizieren wurde hier vor allem als Mittel beschrieben, um diesen Aufstieg vollziehen zu können  – im Gegensatz etwa zum ernsthaften Studium, für das die Entwicklung musikalischer Fähigkei- ten und die Beschäftigung mit der Musik selbst der Zweck des Musizierens waren. Ebenso verhält es sich mit dem bei dieser Orientierung zweifellos gegebenen Bezug zur Kunst: In dieser Logik des Erzählens war Kunst ein notwendiger Bezug zum eigenen Musizieren, der hergestellt wurde, um sich Akteuren zu nähern, die Erfolg ermöglichten, wie KritikerInnen in Druckwerken oder renommierte Opernhäuser und Konzertsäle. Kunst garantierte auch den Zugang zu einem bestimmten Publi- kum. Kunst zu machen war demnach kein Selbstzweck, sondern letztlich eine stra- tegische Entscheidung. Ein bereits weiter oben verwendetes Zitat beschrieb den Unterschied, wie er sich Teilen des Publikums zeigte: Und welche Möglichkeiten tauchen nicht in naher und ferner Zukunft aus diesem Traum- gebilde [der Reform des Konzertwesens, G. S.]?  […] 4. Die heute leider so notwen- dige Erziehung neuer Kreise zu ernster Kunstausübung an Stelle des Genusses schalen Virtuosentums.52 Das ernsthafte Studium als legitimste Referenz wurde in diesem Zitat dem „scha- len“, d. h. oberflächlichen, Musizieren der Stars und VirtuosInnen gegenübergestellt. Überhaupt kommen die VirtuosInnen des 19. und beginnenden 20.  Jahrhunderts der Orientierung des populären Erfolgs, wie er für Musizierende der Zwischenkriegszeit erleb- und erzählbar wurde, sehr nahe. William Weber beschreibt für das begin- nende 19.  Jahrhundert Virtuosen und ernsthafte Musiker als zwei Pole einer Skala: With the simultaneous collapse of the patronal tradition and rise of the printing industry, musical taste suddenly went to extremes of levity and seriousness. At one pole stood the virtuosi  […] At the opposite pole were the musicians and supporters of newly founded symphony orchestras who attempted to maintain the tradition of learned music- making and became fanatic devotees of the German Classical school 53 52 Musikalischer Kurier (1920), Nr.  48, 447. 53 Weber, Mass Culture, 16 f. Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO. KG, WIEN KÖLN WEIMAR Durch Musik ein Fortkommen finden190
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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