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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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als ernsthaft Studierende wahrgenommen zu werden, im Wege stand: Sie spielten keine Kunstmusik, grenzten ihren eigenen Stil gegenüber anderen zu wenig ab, besuchten kein Konservatorium etc. Auf den ersten Blick scheint es widersinnig, populären Erfolg im Untersuchungszeitraum als weniger legitim zu bezeichnen als das ernsthafte Studium. Praktizierten nicht populär Erfolgreiche wie Leo Slezak oder Lotte Lehmann Musizieren auf eine Art und Weise, die von jedem/jeder Musik- erIn angestrebt wurde und in der Gesellschaft uneingeschränkten Rückhalt genoss? Darauf gibt es verschiedene Antworten. Zum einen traf auch das Musizieren des populären Erfolges auf den Widerstand bestimmter Akteure. Wie in Zitaten weiter unten gezeigt wird, waren nicht zuletzt jene, die „ernsthafte Kunst“ ausübten, vom „schalen Virtuosentum“ wenig begeistert. Wie Walter Salmen zu den „Solisten und Virtuosen“ anmerkt (die nicht deckungsgleich mit den populär Erfolgreichen sind, aber durchaus Parallelen zu diesen aufweisen), war der Widerstand gegen diese im 20.  Jahrhundert kein neues Phänomen: Nicht nur diese selbstzerstörerische Ruhmsucht war es, die kritische Vorbehalte und generelle Ablehnung laut werden ließ, nachdem viele Generationen dem Virtuosen durch hohen finanziellen Einsatz und stürmische Ovationen ein stolzes, soziale Schranken über- schreitendes Leben garantiert hatten, sondern auch das Odium der Effekthascherei, der Scharlatanerie, des aufdringlich luxuriösen Putzes, der sinnlichen Ausschweifungen und Arroganz. Seit dem Ende des 17.  Jahrhunderts wird das den Virtuosen eigene, bürgerliche Normen mißachtende Verhalten in Versen, Prosastücken, vor allem aber in der Karikatur angeprangert. Die Seßhaften nahmen Anstoß an deren Vagabundieren als ‚musikalische Zugvögel‘  […]62 Doch verweist die Erwähnung der „bürgerlichen Normen“ auch auf eine Institu- tion, die ihre volle Bedeutung erst in der Zwischenkriegszeit erlangte: den Beruf. Mit dem Anspruch, dass jeder/jede einen Beruf (im Sinne einer kontinuierlichen Beschäftigung durch eine spezifische Tätigkeit) haben solle, verloren jene, deren Tätigkeiten nicht in die gängigen Schemata von Beruf passten, gegenüber anderen Musizierenden an Legitimität. Neben den Gelegenheitsmusizierenden waren dies auch (wie weiter unten dargestellt wird) die populär Erfolgreichen. Im Folgenden soll die Orientierung des populären Erfolgs anhand der Modali- täten der primären Fläche beschrieben werden (Abbildung 25). Die Modalitäten werden unterstrichen dargestellt und tendenziell von den linken unteren Positionen (den Extrempositionen) ausgehend zu den rechten oberen (den zentralen Positio- nen) hin beschrieben. 62 Salmen, Beruf, 74. Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO. KG, WIEN KÖLN WEIMAR Durch Musik ein Fortkommen finden194
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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