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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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Wer seine Erzählung als Aufstieg formulierte, musste folgerichtig unten beginnen. Die Herkunft aus „gewöhnlichen“ (wenn nicht gar ärmlichen) Verhältnissen zeigte sich an der Beschreibung materieller Sorgen und der Finanzierung des eigenen Lebens- unterhaltes durch andere.63 Derartige Passagen finden sich vor allem zu Beginn einer Aufstiegserzählung.64 Musizieren ermöglichte es, den unzulänglichen Verhältnissen zu entkommen, wie es u. a. Lotte Lehmann auch explizit schilderte: „Das Leben war nun für uns wie ein Tischlein- deck- dich geworden: meine schönen Honorare waren die schnell erlernte, leichte Zauberformel“.65 Als Beweis für den materiellen Auf- stieg wurde die Bezahlung für Musizieren erwähnt und die Höhe der Bezahlung bewertet.66 Auch ohne demonstrativen Hinweis auf den eigenen Wohlstand war so der Gegensatz zu anderen Orientierungen offensichtlich: Von dem Verdienst für das eigene Musizieren zu erzählen galt für viele andere Orientierungen als wenig sinnvoll, während es für populär Erfolgreiche als Teil ihres Erfolges selbstverständlich erzähl- bar war. Aber nicht nur die Möglichkeit des Aufstiegs wurde durch die Schilderung der anfänglich „schlechten“ Verhältnisse geschaffen, sondern auch die Möglichkeit der Identifikation eines breiten Publikums mit den (früheren) Lebensumständen des/ der Musizierenden. Aus einfachen Verhältnissen gekommen und trotz des Aufstiegs immer noch einfach und zugänglich geblieben  – diese Konstruk tion wurde schon im 19.  Jahrhundert für die Vermarktung von Jenny Lind verwendet 67 und behielt ihre Wirksamkeit auch im 20.  Jahrhundert bei.68 Musizierende, deren Aufstieg sie zu populär Erfolgreichen machte, bezeichneten das Erlernen des Musizierens als Ausbildung. Die Bedeutung dieses Begriffs ergibt sich vor allem im Gegensatz zum Begriff des Studiums, der von Erzählenden verwendet wurde, die sich positiv auf das ernsthafte Studium bezogen. Im Gegensatz zum Studium beschreibt die Aus- bildung ein Erlernen mit zeitlich begrenzter Dauer. Das Studium (nicht im Sinne eines formellen Abschlusses an Konservatorium oder Akademie) kann potenziell das ganze Leben dauern, während die Ausbildung ein vorgegebenes Ende hat, das oftmals durch Prüfungs- oder andere Rituale markiert ist. Für populär Erfolgreiche 63 Dieser Aspekt wird durch die Modalitäten Unterhalt durch Familie sowie Fürsorge dargestellt. 64 Wie schon weiter oben bemerkt, sind chronologische Entwicklungen mittels der ‚ganzheit- lichen‘ Kategorisierung von lebensgeschichtlichen Erzählungen nur eingeschränkt zu erfassen, sodass aufgrund der primären Fläche der Eindruck einer Gleichzeitigkeit von populärem Erfolg und materieller Armut entstehen kann. Hier ist der Rückgriff auf die einzelnen Erzählungen notwendig, um die zeitliche Abfolge zu rekonstruieren. 65 Lehmann, Anfang, 125. 66 Dieser Aspekt wird durch die Modalitäten Bezahlung viel und Bezahlung wenig dargestellt. 67 Gooley, Top, 75. 68 „Propriety, sobriety, and adhesion to an idealized model of ‘ordinariness’ became the formula for the featured celebrities by the end of the century.” (Berlanstein, Celebrity Culture, 128). Populärer Erfolg mit Musik: Prätention 195
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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