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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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Spitze getrieben. Im Gegensatz zu vielen zeitgenössischen Erzählungen von Musi- zierenden geschah dies jedoch nicht, weil langfristige Engagements nicht zu haben gewesen wären, sondern um die ganze Welt in den Genuss der eigenen Fähigkei- ten kommen zu lassen und so den eigenen Ruhm zu vermehren. Nirgendwo sonst trafen sich die vielfältigen Gelegenheiten zum Musizieren und der Wunsch, sie alle auszunutzen, so gut wie im populären Erfolg. Erfolgreich Musizierende erwähnten und bewerteten in ihren Erzählungen die Höhe der Bezahlung für ihr Musizieren.74 Diese wurde auch explizit benannt: als Honorar oder als Gage. Vor allem letztere Bezeichnung zeigt das Selbstverständnis erfolgreich Musizierender an. Der/die erfolgreich Musizierende beschrieb sich selbst als Mitwirkende/r in einem Musikmarkt, in sozialen Beziehungen also, in denen das Musizieren eine Ware mit einem Preis geworden war.75 Die reale Marktförmig- keit des Musizierens hatte auch für anders orientierte Musizierende Gültigkeit. Im Unterschied zu diesen präsentierten sich die populär erfolgreich Musizierenden allerdings auch explizit als Marktakteure. Sie stellten den finanziellen Aspekt des Musizierens gegenüber seinem künstlerischen Wert, seiner Berufsförmigkeit und seiner Unterhaltungsfunktion für den/die Musizierende/n selbst in den Vordergrund und bejahten die Vermarktung ihrer Tätigkeit. Diese positive Bezugnahme auf den Musikmarkt stellte als Einsatz den Versuch dar, eine neue Form der Legitimation für das Musizieren  – durch wirtschaftlichen Erfolg anstatt durch künstlerischen Wert  – durchzusetzen. 7.2.1 Prätention erzählen: Leo Slezak wird eine Berühmtheit Die Orientierung als populär Erfolgreiche/r fand über ein Ensemble von Praktiken statt. Im Folgenden soll exemplarisch dafür die Erzählung des tschechischen Opern- tenors Leo Slezak beschrieben werden. Diese nimmt unter jenen Lebensgeschichten, die überdurchschnittlich gut durch die primäre Fläche der Korrespondenzanalyse 74 Diese Aspekte werden durch die Modalitäten Bezahlung erwähnt, Bezahlung viel und Bezah- lung wenig dargestellt. 75 Vgl. Heister, Konzertwesen, 687: „Unter den fürs Konzertwesen bestimmenden konkreten historischen Bedingungen der bürgerlichen Gesellschaft und der Warenwirtschaft wird die in Warenform erscheinende Dienstleistung Musizieren oder die gegenständliche Ware ‚Musik‘ in Geld ‚verwandelt‘.“ Aus zeitgenössischer Sicht stellte Leo Wilzin fest: „Aus der Tatsache, daß die Musik wie jede andere Ware auf den Markt gebracht wird, wo ihr Preis durch das Verhält- nis von Angebot und Nachfrage bestimmt wird,  […]“ (Wilzin, Musikstatistik, 51) Er beschrieb die Entwicklung der „Musikwirtschaft“ als Prozess von der Hausmusik über das Stadium der direkten Kundenreproduktion bis hin zum Konzert, in dem die Musik zur Ware wird (ebd.). Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO. KG, WIEN KÖLN WEIMAR Durch Musik ein Fortkommen finden198
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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