Seite - 212 - in Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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Erzählungen des Gelegenheitsmusizieren wurde es in einen Lebenszusammenhang
eingebettet, der auch durch viele andere Tätigkeiten konstituiert wurde. Oftmals
wurde Musizieren auch durch „musikfremde“ Ereignisse und Verhältnisse ausgelöst
oder beendet. Während die Fokussierung der Berufsbiografie auf Musiziertätigkeiten
die geplante Berufslaufbahn bewusst erzeugte, wurde Gelegenheits
musizieren oftmals
explizit als ungeplant charakterisiert: „Es war eigentlich ein kühnes Unterfangen,
aus heiterem Himmel ein Mandolinenorchester gründen zu wollen.“ 104 Gelegen-
heitsmusizieren stellte einen Mangel an Planung und Voraussicht dar.
In einer Hierarchie der offiziellen Legitimität war Gelegenheitsmusizieren die
dominierte Orientierung. Gelegenheitsmusizieren war – bildlich gesprochen – am
weitesten davon entfernt, als legitime Musizierform kategorisiert zu werden. Wie
weiter unten beschrieben wird, gab es zwar auch Akteure, die Gelegenheitsmusizie-
ren befürworteten und gegen Angriffe von jenen, die sich negativ darauf bezogen,
verteidigten. Dennoch war es diese Orientierung, die am ehesten in die Defensive
geriet, wenn die Legitimität verschiedener Musizierformen verhandelt wurde. Ohne
104 Bergmann, Leben, 41.
Abbildung 27: Primäre Fläche. Ausschnitt der Dominiertheit. Modalitäten und Fälle mit über-
durchschnittlichem cos2 in Extrempositionen
Fett = Fälle () = keine Erwähnung der Modalität “ “ = wörtliche Verwendung der Modalität
>9 andere Arbeiten
3-5 andere Arbeiten
<4 Musiziertätigk. vor '38
"arbeitslos"
Arbeitstätigkeit als Substantiv
(Auftritt Großstadt)
(Auftritt außer Bundesld)
andere Arbeit "Beruf"
andere Berufsausbildung
andere Berufsausbildung Freude
Lehre
Episode vor '38
Einstieg anderes
andere Arbeit bezahlt
Entstehung >1980
andere Erwerbsarbeit
Gasthaus
(andere Arbeit geistig)
andere Arbeit gelernt
4-7 Geschwister
Gitarre
Hindernis Kosten Qualität Instrument schlecht
Mangel Kind ("Konzert")
Mutter Hilfstätigkeit
Sozialleistung
Subsistenz
Thema Unterhalt
andere Arbeit ungelernt
Verein
Franz Gierer
Josef Mayrhofer
Konrad Bergmann
Josef Kohl
Josef Felsinger
-3,00
-2,50
-2,00
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Durch Musik ein Fortkommen
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Buch Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938"
Über die Produktion von Tönen
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
- Titel
- Über die Produktion von Tönen
- Untertitel
- Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
- Autor
- Georg Schinko
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20802-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 310
- Schlagwörter
- Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
- Kategorie
- Kunst und Kultur