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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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Die Erzählung des Musizierens als Episode, d. h. in einer Erzählform, die den Ausnahmecharakter und die kurze Dauer des Musizierens betonte, stand ganz im Gegensatz zur Kontinuität anderer Orientierungen des Musizierens. Über Anlässe zum und Folgen des Musizierens wurde dieses mit dem „restlichen Leben“ ver- knüpft. So erzählte Josef Mayrhofer auch sein Musizieren gegen Entgelt auf Stra- ßen und Plätzen als Episode. Ausgangspunkt war die zufällige Bekanntschaft mit zwei schon erfahrenen Straßensängern auf dem Heimweg von einem Treffen der sozialistischen Arbeiterjugend, Endpunkt  – nach einigen Tagen Musizieren  – der Verdienst von ausreichend Geld, um mit der Bahn nach Hause zu fahren.111 Die Erzählung als Episode situierte das Musizieren außerhalb des alltäglichen Lebens. Während Ausbildungen und Arbeitsverhältnisse oftmals nicht näher detailliert, son- dern nur in Form ihrer Dauer angegeben wurden („dann arbeitete ich zwei Jahre in der Fabrik“) und damit Teil der Alltagsbiografie des/der Erzählenden blieben, stellte Musizieren ein aus diesem Rahmen fallendes Ereignis dar, das konkreter bzw. lebendiger beschrieben werden musste, um vermittelbar zu werden. Auch und gerade die beschränkte Dauer des Musizierens trug zu dieser Außer- Alltäglichkeit bei. Schon am Episodencharakter des Musizierens wird also deutlich, dass hier keine musikalische Laufbahn, kein musikalisches Leben erzählt wurde  – denn auf der Grundlage von Episoden allein wäre eine solche Darstellung nicht möglich. Wenn sich eine episodenhafte Darstellung von Musizieren auch oft in den Erzählungen jener, die durch Musik populären Erfolg erlangten, findet  – man denke nur an die zahlreichen Anekdoten über Gastspiele und Tourneen  –, so wurde diese Darstel- lung dort doch mit der Beschreibung von fixen und langfristigen Anstellungen kombiniert, während hier die Episode die einzige Erzählform des Musizierens blieb. Die Darstellung anderer Unterhaltstätigkeiten, anderer Arbeiten und anderer Berufe nahm für das Gelegenheitsmusizieren breiten Raum ein. Die Lebensgeschichten wurden durch eine oder mehrere Unterhaltstätigkeiten geordnet und strukturiert.112 Eine Struk- turierung durch musikalische Tätigkeiten fand nicht statt. Die Erzählungen wurden so als Berufs-, Arbeits- oder allgemein Unterhaltsgeschichten  – im Gegensatz zu Musi- ziergeschichten  – konstruiert. Diese Form der Strukturierung war zeitgenössisch keine atypische, Unterhalt als strukturierendes Motiv eine gängige Wahl. Wie weiter unten gezeigt wird, verschärfte die Herkunft des/der Musizierenden aus prekären Verhältnis- sen die Bedeutung und Notwendigkeit des Unterhaltsverdienens. In jedem Fall wurde das Verdienen von Unterhalt über eine Reihe unterschiedlicher Aspekte beschrieben.113 111 Mayrhofer, Leben, ohne Seitenzahl (Kapitel „Strassensänger“). 112 Dieser Aspekt wird durch die Modalität Thema Unterhalt dargestellt. 113 Dieser Aspekt wird durch die Modalitäten andere Berufsausbildung Freude, andere Berufs- ausbildung und andere Arbeit „Beruf“ dargestellt. Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO. KG, WIEN KÖLN WEIMAR Durch Musik ein Fortkommen finden216
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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