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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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im untersuchten Zeitraum oftmals als Ort gesehen, an dem sogenannte Nebener- werbsmusikerInnen ihr Einkommen verdienten. So hieß es Ende des 19.  Jahrhun- derts in der Österreichischen Musiker- Zeitung: Zur Genossenschaft der Musiker in Wien gehören nämlich nicht nur Musiker  […] sondern auch Personen, die durchaus nicht im Stande sind, irgend welche Musik zu machen, außer auf einem Werkel, wie zB Wirthe, oder Leute, die eigentlich Hausmeister, Hilfsarbeiter, Taglöhner u. dgl. sind, ein wenig Trommel, Harmonika oder Guitarre spielen  […] und es viel lustiger finden, ein Gewerbe im Gasthaus statt in einer Werkstätte auszuüben; oder welche, wenn sie schon die Woche über in ihrem eigentlichen Gewerbe thätig waren, es angenehm fanden, an Sonn- und Feiertagen in Gasthäusern statt Geld auszugeben, mit ihrer ‚Kunst‘ welches zu verdienen.121 Die von den KonkurrentInnen der GelegenheitsmusikerInnen konstruierte Dar- stellung, wonach das Spielen im Gasthaus ein lustiges Erlebnis oder ein willkom- mener Zusatzverdienst war, stand oft im Einklang mit den Darstellungen in den Erzählungen der GelegenheitsmusikerInnen selbst. Musizierende, die sich etwa als Der- Musik- Treue positionierten, mieden Auftritte in Gasthäusern eher, nicht zuletzt wegen des niedrigen Ansehens und der geringen Entlohnung.122 In Gasthäusern zu spielen, war also nur für jene akzeptabel und attraktiv, die sonst wenig Gelegenheit zum Musizieren hatten und geringe Ansprüche (betreffend die Atmosphäre oder die Entlohnung) an den Ort des Musizierens stellten. 7.4.1 Dominiertheit erzählen: Franz Gierer musiziert nach Belieben Die Orientierung als Gelegenheitsmusizierender/Gelegenheitsmusizierende fand über ein Ensemble von Erzählpraktiken statt. Im Folgenden soll exemplarisch dafür die Lebensgeschichte von Franz Gierer beschrieben werden. Diese nimmt unter jenen Lebensgeschichten, die überdurchschnittlich gut durch die primäre Fläche der Korrespondenzanalyse erklärt werden,123 die entlang der Orientierung des Gelegen- heitsmusizierens am extremsten ausgerichtete Position ein (siehe Abbildung 23 zu 121 Österreichische Musiker- Zeitung (1893), Nr.  2, 7. 122 Vgl. etwa eine arbeitsgerichtliche Entscheidung: „wurde  […] gefragt ob er spielen wolle  […] dass er ihm keinen Vertrag geben könne, wenn aber das Geschäft gehe, sei er bereit, dem Kläger ein Trinkgeld, ein Nachtmahl und ein Glas Bier zu geben“, aus: Bundesministerium für Justiz (Hg.), Sammlung. 12. Jahrgang, 177 f. 123 Die primäre Fläche erklärt 31,5  Prozent (cos2) der Erzählung. Als Gelegenheit musizieren: Dominiertheit 219
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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