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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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Gelegenheitsmusiker  – und nicht etwa als Berufsmusiker oder ernsthaft Studieren- der  – verstand: Vorstellungen von einer kontinuierlichen Beschäftigung mit Musik wurden nicht vermittelt und schon die gelegentliche Beschäftigung mit Musik stand unter dem Verdacht der Sinnlosigkeit. Musizieren wurde so einerseits verlagert in Zeiten der Freizeit (im Burschen- oder Mandolinenverein), andererseits durch den Erwerb materieller Gegenleistungen gegenüber anderen legitimiert. Als Beschäfti- gung, die kontinuierlich getätigt wurde und eine zentrale Rolle im eigenen Leben einnahm, war Musizieren nicht zu gebrauchen. Diese Rolle fiel (anderen) Unter- haltstätigkeiten zu. Der berufliche Werdegang von Franz Gierer nahm in seiner Erzählung ungleich größeren Raum ein, vom Verlassen der Schule mit vierzehn Jahren an  – als „ich meinen Lebensunterhalt selbst verdienen“ 128 musste (ungeachtet der bereits zuvor erzählten Unterhaltstätigkeiten)  – bis hin zur Übernahme einer eigenen Baufirma noch vor dem Zweiten Weltkrieg.129 Die „Gelegenheit“, die Gierers Position kennzeichnete, ist also bei näherem Hinsehen auch eine fehlende Gelegenheit  – nämlich jene, sich kontinuierlicher mit Musik zu beschäftigen. Musiziert wurde vor allem in den Zeiten, die nicht von Berufs- und Arbeitstätigkeiten eingenommen wurden. Diese fielen vorwiegend in Gierers Jugend- und frühe Erwachsenenzeit, wo er u. a. während eines Krankenstan- des seine musizierenden Freunde kennenlernte.130 Das Ende einer mehrmonatigen Fußwanderung durch Österreich mit 21  Jahren und die darauf folgende intensivere Beschäftigung mit seiner beruflichen Entwicklung 131 bedeuteten auch das Ende der Musiziergelegenheiten. Wichtig für Gierers Gelegenheitsmusizieren war der Anspruch, sich dadurch selbst zu unterhalten. Wenn auch zeitweise Entgelt mit Musizieren verdient wurde, so wurde doch der Aspekt des Zeitvertreibs meist in den Vordergrund gestellt. So charakterisierte er etwa seine Mitgliedschaft im Mandolinenverein folgendermaßen: „Wir wanderten herum, die Bänder flatterten im Wind, und unterhielten uns immer ganz prächtig.“ 132 Oder seine Mitgliedschaft im Burschenverein, wo u. a. gesungen und Musik gemacht wurde: „Der Burschenverein war für uns junge Menschen die 128 Ebd., 17. 129 Dass „die Erinnerungen unseres Vaters  […] eigentlich ein Bericht seines Überlebenskamp- fes und seiner Arbeit“ waren, veranlasste seine Tochter, die Franz Gierers Erzählung heraus- gab, an einigen Stellen Details über seine privaten Verhältnisse (wie Heirat oder Geburt von Kindern) hinzuzufügen, um so „zum Verständnis seines Lebens notwendige Fakten“ beizu- steuern (ebd., 7). 130 Ebd., 22. 131 „Damals tauchte auch mein Bestreben, mich weiterzubilden, wieder verstärkt auf.“ (ebd., 30). 132 Ebd., 20. Als Gelegenheit musizieren: Dominiertheit 221
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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