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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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arbeitsrechtlicher Regelungen für KünstlerInnen in den 1920er- Jahren hingen auch damit zusammen, dass wichtige Akteure Interesse daran hatten, Musizieren als Kunst zu ermöglichen und zu normalisieren. Das war keine Selbstverständlichkeit: Das Aufkommen von Massenkultur und Vergnügungsindustrie seit der Mitte des 19.  Jahrhunderts führten  – betrachtet man die ästhetischen Kategorisierungen des- sen, wie und was musiziert wurde  – zu anderen Formen des Musizierens, die öko- nomisch wie kulturell ebenfalls Bedeutung erlangten. Staatliche Kunstförderung und die Ausweitung des Angebots an höherer musikalischer Ausbildung waren auch Teil der jahrhundertealten Auseinandersetzung zwischen den Verteidigern der Kunst und den Befürwortern der Unterhaltung. Neben der Bereitstellung eines Gegenmodelles zu Musizieren als Kunst ermöglichten Massenkultur und Vergnü- gungsindustrie Musizierenden sowohl der Kunst- als auch der Unterhaltungsmusik aber auch, BerufsmusikerInnen zu sein und damit den Anforderungen des Staates und anderer Akteure an die Bevölkerung zu entsprechen, einen Beruf zu haben. Gleichzeitig waren die Möglichkeiten, als AmateurIn zu musizieren, seit der Mitte des 19.  Jahrhunderts stark im Zunehmen begriffen. Materielle Erleichterungen des Zugangs zum Musizieren wie stark verbilligte Noten und Instrumente, die Auswei- tung privaten und schulischen Musikunterrichts oder die Verknüpfung politischer Anliegen mit dem Musizieren in Männerchören und in der Jugendbewegung schufen dafür die Grundlagen. Wirtschaftskrisen oder Notlagen wie Kriegsverwundungen und der damit einhergehende Mangel waren überzeugende Argumente dafür, das erlernte Musizieren auch als (Neben-)Erwerb auszuüben. Der daraus entstehende Konflikt zwischen BerufsmusikerInnen und AmateurInnen um Erwerbsmöglich- keiten war sicher nicht neu, wurde durch die zahlenmäßige Zunahme amateurhaft Musizierender aber verschärft. Die Gründungen von Nichtberufsmusikerverbän- den in den 1920er- Jahren ebenso wie die Musikerverordnung von 1934 stellten Teile dieses Konfliktes dar. Schließlich waren für die Relation von Kunst und Beruf ganz spezifische Entwicklungen grundlegend dafür, dass sich eben diese Referenzen als legitim darstellen konnten. Die Konstitution „ernster“ Kunstmusik Ende des 18.  Jahrhunderts und die daraus folgenden immer höheren Anforderungen an das musikalische Können der Musizierenden verdrängten die Amateure/Amateurinnen zunehmend aus dem Bereich öffentlicher Aufführungen in die Musikvereine und das Spielen von Hausmusik. In der Zwischenkriegszeit war die Gleichsetzung von künstlerischem mit beruflichem Musizieren dann bereits weitgehend abgeschlossen. Der Begriff der Legitimität beschreibt in dieser Untersuchung das Ausmaß, in dem Praktiken und Orientierungen historisch als natürliche Gegebenheiten erschie- nen, deren Existenz nicht mehr hinterfragt werden musste. Exemplarisch erscheint der Gegensatz zwischen legitimen und wenig legitimen Orientierungen etwa im Vergleich von Druckwerken der Kunstmusik, die Notwendigkeit und Existenz von Musizieren als Frage von Legitimität und Nicht-Legitimität 227
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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