Seite - (000171) - in Tourismus und Klimawandel
Bild der Seite - (000171) -
Text der Seite - (000171) -
Im Sommer können Wellnessangebote, die auf Hallen-
und Thermalbädern beruhen, aufgrund der steigenden Tem-
peraturen an Attraktivität verlieren, beispielsweise gegenüber
Seen bzw. anderen angebotenen Aktivitäten, wie Golfen,
Radfahren, Wandern oder Reiten (Fleischhacker et al. 2009;
Formayer und Kromp-Kolb 2009; BMWFJ 2012). Gleich-
zeitig ist jedoch eine räumliche Verschiebung der Nachfrage
in höhere und damit kühlere Lagen bzw. eine Wiederbelebung
der klassischen „Sommerfrische“ möglich (Fleischhacker
et al. 2009; Abegg und Steiger 2011; APCC 2014) – eine Ent-
wicklung, von der die Sparte der alpinen Wellnessanbieter bei
Bereitstellung attraktiver Angebote, die auf die Bedürfnisse
„hitzegeplagter“ Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner ab-
gestimmt sind, profitieren würde (Jiricka-Pürrer et al. 2018).
8.3.2 Einfluss von Indooraktivitäten
auf den Klimawandel
Ein Faktor, der bei Indooranlagen besonders ins Gewicht
fällt, ist ihr Energiebedarf, der je nach Typ und Bauweise
beträchtlich ausfallen kann, aber auch von der Art des An-
gebots abhängt. Medizinisch ausgerichtete Tourismusbetriebe
verfügen zum Beispiel meist über verschiedene Behandlungs-
räume, deren Raumtemperatur und damit Energiebedarf mit
dem jeweiligen therapeutischen Angebot zusammenhängt.
Im Unterschied dazu weisen Wellnessbetriebe in der Regel
größere Wasserbereiche auf, die besonders energieintensiv
sind. Lampersberger et al. (2017a) gehen beispielsweise für
ein Indoorhallenbad mit einer Wasserfläche von 700 m2 von
einem Referenzwert von 3345 MWh/a aus; unter den laut
Studie untersuchten Sportstättentypen nehmen Hallenbäder
damit deutlich den Spitzenwert ein, wohingegen Kletterhal-
len mit 146 MWh/a den niedrigsten Energieverbrauch auf-
weisen. Der vergleichsweise hohe Strom- und Wärmebedarf
in der gehobenen Hotellerie (siehe dazu die Ausführungen
in Abschn. 4.3.3) wird zwar generell auf das Vorhandensein
zusätzlicher Indoorangebote, wie z. B. Saunen, Wellness-
bereiche und Schwimmbäder, zurückgeführt, welcher Anteil
konkret auf sie entfällt, wird aber nicht angegeben (Bayer
et al. 2011).
Zudem gilt es zu beachten, dass langfristiger Erfolg nur
durch eine fortlaufende Erneuerung des Angebots gewährleis-
tet werden kann. Neben der Lage und Umgebung spielen die
architektonische Gestaltung bzw. das Design für die Zufrie-
denheit der Kundschaft in der Wellnesssparte eine besonders
wichtige Rolle (Lanz Kaufmann 1999; Illing 2004). Wellness-
einrichtungen müssen demzufolge regelmäßig, d. h. in einer
Zeitspanne von ca. 5 Jahren, umgestaltet werden, um attraktiv
zu bleiben (Lanz Kaufmann 1999; ghh consult GmbH 2010).
Zwar sind hierzu keine wissenschaftlichen Studien verfüg-
bar, abhängig von der jeweiligen Nutzungsintensität sowie
der Material- und Wartungsqualität, geht die Fachpresse aber davon aus, dass Einrichtungen wie Saunen, Bäder und
Dampfbäder bei täglichem Betrieb ca. alle 5–7 Jahre kom-
plett erneuert werden müssen (ghh consult GmbH 2010).
Der für Erneuerung und Umgestaltung nötige Energiebedarf
muss, neben dem für den laufenden Betrieb, daher bei Über-
legungen zum Klimaschutz ebenfalls berücksichtigt werden.
Des Weiteren stellen Indooranlagen auch eine Erhöhung
der Versiegelung dar, was sich bei Starkregenereignissen
negativ auswirken und im Einzelfall – je nach Gesamtfläche,
lokalen Gegebenheiten und herrschendem Versiegelungsgrad
– zu Überschwemmungen oder zu einer kurzzeitigen Über-
lastung des Entwässerungsnetzes beitragen kann (Umwelt-
bundesamt GmbH o.J.).
8.4 Anpassungs-, Minderungsmaßnahmen
und Strategien
Indoorsportstätten zeichnen sich in vielen Fällen durch einen
hohen Energieverbrauch aus, wobei Hallenbäder am energie-
intensivsten abschneiden. Gleichzeitig gibt es jedoch eine
Vielzahl an Möglichkeiten, wie die jeweiligen Gebäudetypen
effizienter gestaltet und betrieben werden können (Lampers-
berger et al. 2017a). Hier soll im Speziellen auf Kletterhallen
(als Sonderform von Sporthallen) sowie auf Hallenbäder und
damit zusammenhängende Anlagen, wie Ausgleichsbecken,
Sanitärbereich, Sauna u. Ä., eingegangen werden. Die folgen-
den Ausführungen beziehen sich auf den aktuellen Zustand,
bei dem sowohl in Sport- bzw. Kletterhallen als auch in Well-
nessbädern der Wärmebedarf in der Regel deutlich über dem
Strombedarf liegt. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass
sich dieses Verhältnis in Zukunft angesichts steigender Tem-
peraturen verändern wird und der Stromverbrauch zunimmt,
z. B. zur Klimatisierung der Räume im Sommer (siehe dazu
Abschn. 4.4.2), vor allem wenn alter Gebäudebestand mit
mobilen Geräten nachgerüstet wird.
8.4.1 Kletterhallen
Kletterhallen ähneln in ihrem Energieverbrauch dem von
Sporthallen, bei denen der Wärmeverbrauch einen Groß-
teil (67 %) des Gesamtverbrauchs ausmacht. Eine Beson-
derheit von Kletterhallen stellt der vergleichsweise hohe
Beleuchtungsaufwand dar, da für optimale Bedingungen
auch die vertikalen Flächen ausgeleuchtet werden müssen,
sowie der etwas geringere Warmwasserbedarf. Maßnahmen
zur Energiereduktion sollten daher vorrangig auf die Be-
reiche Wärmebereitstellung, Belüftung und Beleuchtung
fokussieren, da hier die größten Einspareffekte zu erzielen
sind (Lampersberger et al. 2017a). Folgende Lösungen sind
in diesem Sinne nach Lampersberger et al. (2017a) emp-
fehlenswert:
Spezifische Komponenten des touristischen Angebots –
Aktivitäten160
zurück zum
Buch Tourismus und Klimawandel"
Tourismus und Klimawandel
- Titel
- Tourismus und Klimawandel
- Autoren
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Verlag
- Springer Spektrum
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Abmessungen
- 21.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 263