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9.3.2 Einflüsse auf den Klimawandel
Je nach Herkunftsmarkt erfolgt die Anreise in Österreichs
Städte per Flugzeug über die Flughäfen Wien, München oder
Innsbruck und in Kombination mit dem Schienenfernverkehr
in die anderen städtischen Destinationen (vgl. Abschn. 3.1.1).
Quellmärkte für den österreichischen Städtetourismus sind
– neben Deutschland – die USA, China, Russland und im
Sommer auch die Vereinigten Arabischen Emirate (siehe
Abschn. 9.2). Diese interkontinentalen Flüge wirken sich,
insbesondere ohne Kompensation, negativ auf das globale
Klima aus und sind in Kombination mit der Gesamtaufent-
haltsdauer in Europa und der Verkehrsmittelwahl innerhalb
des Kontinents der primär ausschlaggebende Faktor in der
CO2-Bilanz von Städtereisen.
Betrachtet man die meist kurze Aufenthaltsdauer im Ver-
gleich zu anderen Reisearten und geht man von wiederholten
Reiseaktivitäten zu städtischen Destinationen innerhalb eines
Jahres aus, so haben auch die innereuropäischen Reiseaktivi-
täten von Städtereisenden eine negative Auswirkung auf den
Klimawandel, sofern sie als Flug- oder Pkw-Reisen durch-
geführt werden. Anreize mit Sparpreisen im Zugverkehr wir-
ken dem entgegen. Im Gegensatz zu anderen Reisearten ist
jedoch der Transport vor Ort überwiegend klimaverträglich
aufgrund der öffentlichen Verkehrsangebote in städtischen
Destinationen (vgl. Abschn. 3.3). Hier ergeben sich auch
Potenziale, eine öffentliche Anreise weiter zu fördern, da
keine zusätzliche Ausrüstung (wie z. B. im Wintersport not-
wendig) transportiert werden muss und der ÖV schon mehr-
heitlich für die „letzte Meile“ genutzt werden kann. Während
die städtische Infrastruktur im Rahmen der Angebotsvielfalt
von Städtereisenden mitgenutzt wird, kommt der Unterkunft
im Blick auf die Klimabilanz eine große Bedeutung zu. In
diesem Zusammenhang spielt vor allem die Kühlung gemein- sam mit der Anpassung an die Hitze eine zunehmend stärkere
Rolle in der Klimabilanz (siehe Abschn. 9.4). Im Vergleich zu
anderen europäischen Destinationen hat die österreichische
Städtehotellerie hier noch Aufholbedarf.
Möglich wäre auch eine Anpassung bei der Wahl des
Quartiers, indem in durchgrünte Außenbezirke bzw. ins Stadt-
umland ausgewichen wird. Bisher gibt es dazu jedoch noch
keine konkreten Untersuchungen. Auch in diesem Zusam-
menhang sind wiederum die aktive Bewerbung und Unter-
stützung des klimaschonenden Transfers ins Stadtzentrum
eine wichtige Planungsaufgabe.
9.4 Anpassungsstrategien
und Anpassungsbeispiele
Wenngleich ein Einfluss der Hitze auf den Städtetourismus
in Österreich erst vereinzelt nachgewiesen wurde (siehe
Abschn. 9.3), wurde in den letzten Jahren in zahlreichen Pu-
blikationen der Hitzestress in Städten als ein vordergründiges
Problem mit starkem Anpassungsbedarf und starker Hand-
lungsrelevanz seitens der Stadtplanung hervorgehoben. So
widmet beispielsweise die „Österreichische Strategie zur
Anpassung an den Klimawandel“ (BMNT 2017) den Grün-
und Freiflächen in den Städten ein eigenes Kapitel inklusive
Handlungsempfehlungen. Die Stadt Wien hat sich speziell
mit dem Thema „städtische Hitzeinseln“ auseinandergesetzt.
Ergebnis ist ein Strategieplan, in dem Maßnahmen gegen
eine zunehmende Erwärmung des Stadtgebietes aufgezeigt
werden (Brandenburg et al. 2012; Allex et al. 2013). Ähn-
liche Maßnahmen empfiehlt das Bundesamt für Umwelt in
der Schweiz (BAFU 2018). Weitere Vorteile zur Reduktion
von Hitzeinseln können außerdem durch entsprechende Frei-
flächen – Green Infrastructure (EC 2016) – entstehen, die
Abb. 9.1 Temperaturemp-
finden der Befragten bei bzw. in
Sehenswürdigkeiten, Einkaufs-
straßen/Shoppingcentern sowie
Lokalen/Restaurants; n = 365.
(Allex et al. 2011a, S. 19)
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60%
sehr störend
störend
weder noch
angenehm
sehr angenehm
Empfanden Sie die hohen Temperaturen als störend?
Sehenswürdigkeiten
Einkaufsstraßen/Shoppingcenter
Lokale/Restaurants
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Buch Tourismus und Klimawandel"
Tourismus und Klimawandel
- Titel
- Tourismus und Klimawandel
- Autoren
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Verlag
- Springer Spektrum
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Abmessungen
- 21.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 263