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10.1 Allgemeine Entwicklung und Trends
Die Durchführung touristischer Großveranstaltungen führt
nicht nur zu erhöhten CO2-Emissionen in Österreich (APCC
2014), sondern ist selbst vom Klimawandel betroffen, wenn
etwa Hitzetage im Sommer den Erlebniswert einer Outdoor-
veranstaltung beeinträchtigen, Unwettergeschehen zu Ab-
sagen führen oder Wintersportveranstaltungen aufgrund von
Schneemangel gefährdet sind.
Veranstaltungen im Bereich von Kultur und Sport verspre-
chen nicht nur ein einmaliges Erlebnis von hohem Unterhal-
tungswert, sondern werden seit Langem auch mit einem re-
gionalwirtschaftlichen Nutzen verbunden. Dieser ergibt sich
dadurch, dass vor allem Veranstaltungen von überregionaler
Reichweite als Möglichkeit zur Entwicklung touristischer
Destinationen gesehen werden (UNWTO 2017).
Dabei werden die Veranstaltungen (wie z. B. das tradi-
tionelle Hahnenkammrennen in Kitzbühel) als Marketing-
instrumente eingesetzt und sind neben klassischen Werbe-
materialien (wie Printmedien, TV- oder Radiowerbespots) ein
wichtiger Bestandteil von Markenbildung und Branding für
Unternehmen und auch für touristische Destinationen. So-
genanntes Eventmarketing beschreibt die umfassende Pla-
nung, Steuerung und Kontrolle von Maßnahmen, die darauf
abzielen, der adressierten Person Erlebnisse zu vermitteln,
die bei dieser zu einer positiven Verankerung von Anliegen
des Veranstalters (z. B. Unternehmen, Stadt) und ggf. positi-
ven Einstellungsänderungen oder Handlungen führen sollen
(Müller 2002).
Das Wesen von Veranstaltungen hat sich dabei stark ver-
ändert: Standen früher etwa bei Sportgroßveranstaltungen
sportliche Aspekte, also Wettkampf und sportliche Leistun-
gen, im Mittelpunkt, sind heute Musik- oder Tanzveranstal-
tungen bzw. gesellschaftliche Events als Rahmenprogramm
unerlässlich. Dabei ist über die eigentliche Veranstaltung,
die TV-Übertragungen oder auch Public Viewing hinaus ein Trend zu einer räumlichen und zeitlichen Ausdehnung fest-
zustellen. Daher ist auch das Zielpublikum weiter zu fassen
als die Zuseherinnen und Zuseher, die vor Ort am Event teil-
nehmen.
Die Literaturanalyse zeigt, dass Veranstaltungen einen viel-
fältigen wirtschaftlichen Nutzen für einen Veranstaltungsort
erwarten lassen (Getz 2008, 2012; Baptista Alves et al. 2010;
Auld et al. 2011; Getz und Page 2016). So ziehen Veranstal-
tungen Gäste an, deren veranstaltungsbezogene Ausgaben mit
einem ökonomischen Nutzen für die Destination verbunden
sind (direkter touristischer Nutzen). Veranstaltungen können
darüber hinaus das Image einer Region positiv beeinflussen
und zur Markenbildung beitragen (was wiederum einen län-
gerfristigen touristischen Nutzen mit sich bringen kann), die
Lebensqualität einer Stadt/Region/Destination verbessern und
ihre Attraktivität für Investoren erhöhen. Die mit Veranstal-
tungen verbundenen Infrastrukturinvestitionen können in
weiterer Folge zur städtischen Erneuerung beitragen. Weitere
Effekte und entsprechende Referenzen aus der Literatur wer-
den in Jago et al. (2010) genannt: etwa „Lokalstolz“, erhöhte
sportliche Betätigung der Bevölkerung und sogar ein positiver
Einfluss auf das Umweltbewusstsein. Gleichzeitig werden bei
Jago et al. (2010) aber auch potenzielle Nachteile genannt,
die aus Veranstaltungen erwachsen können. Darunter fallen
Preiserhöhungen (für Dienstleistungen, Wohnen etc.), Lärm,
Verkehrsüberlastungen, Überforderung der lokalen Bevölke-
rung, negative Umweltfolgen etc. Auch im engeren touristi-
schen Sinn ist zu erwähnen, dass Veranstaltungen mit nicht
unerheblichen Verdrängungseffekten verbunden sein können,
etwa wenn Gäste eine Destination wegen einer Veranstaltung
meiden. Gründe dafür können eventinduzierte Preiserhöhun-
gen sein, aber auch Angebotseinschränkung (z. B. Sperre von
Skipisten für die Öffentlichkeit bei Austragung alpiner Be-
werbe) oder die Sorge, dass eine Destination zu Veranstal-
tungszeiten „überfüllt“ sein könnte. Xing und Chalip (2006)
sowie auch Brown et al. (2016) weisen zudem darauf hin, 10
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© Der/die Autor(en) 2021
U. Pröbstl-Haider, D. Lund-Durlacher, M. Olefs, F. Prettenthaler (Hrsg.), Tourismus und Klimawandel,
https://doi.org/10.1007/978-3-662-61522-5_10
Festivals, kulturelle Events, Großveranstaltungen,
Sportgroßveranstaltungen und Lifestyle Events
Coordinating Lead Authors (CLAs)
Oliver Fritz
Lead Authors (LAs)
Oliver Fritz, Ulrike Pröbstl-Haider, Kathrin Ginner
Contributing Authors (CAs)
Herbert Formayer
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Buch Tourismus und Klimawandel"
Tourismus und Klimawandel
- Titel
- Tourismus und Klimawandel
- Autoren
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Verlag
- Springer Spektrum
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Abmessungen
- 21.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 263