Seite - (000194) - in Tourismus und Klimawandel
Bild der Seite - (000194) -
Text der Seite - (000194) -
und Shuttlebusse im Großraum Schladming sollten eine um-
weltfreundliche Anreise zum Veranstaltungsort ermöglichen.
Für die Präparierung der WM-Rennpisten kamen energieeffi-
ziente Pistenfahrzeuge und ein erstes Snowmobil mit E-Mo-
tor zum Einsatz. Ebenso wurde im Rahmen der Veranstaltung
eine Fotovoltaikanlage am Dach des „Congress Schladming“
errichtet und ein Shuttledienst mit Elektrobus angeboten. Im
Bereich der Abfallvermeidung und Abfalltrennung wurden
Mehrwegbecher und getrennte Abfallbehälter eingesetzt.
Die Wärmeversorgung der WM-relevanten Einrichtungen
erfolgte durch Biomasse aus dem Nahwärmenetz. Laut Nach-
haltigkeitsbericht des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV
2013) konnte damit der CO2-Fußabdruck der Ski-WM auf-
grund der hohen Frequentierung der öffentlichen Verkehrs-
mittel, der Energieeffizienzmaßnahmen und der CO2-freien
Wärmeversorgung relativ gering gehalten werden. Allerdings
ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei diesen Angaben und
Bewertungen um Angaben des Veranstalters selbst und damit
keine neutrale Quelle handelt. Laut ÖSV wurden während der
WM unter Einbezug der Anreise der Gäste 1290 Tonnen CO2-
Äquivalente zusätzlich emittiert (ÖSV 2013). Darüber hinaus
wurden für die Ski-WM aber auch Investitionen getätigt, die
die Klimabilanz des Events beeinträchtigt haben, wie die Er-
richtung eines Pressezentrums (ÖSV 2013).
Ein weiteres Projekt, für das konkrete Daten vorliegen,
ist das Großevent „Eurovision Song Contest“, das 2015 vom
ORF in Wien veranstaltet wurde. Diese Großveranstaltung
wurde nach dem Österreichischen Umweltzeichen und den
ÖKOEvents-Kriterien der Stadt Wien zertifiziert. Das Land
Österreich wollte sich international als Land präsentieren, das
nachhaltig mit seinen Ressourcen umgeht und einen neuen
Standard für Großevents setzt. Ein wichtiges Kriterium war
die gute Erreichbarkeit des Austragungsortes innerhalb der
Stadt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, sodass 85 % der
Gäste tatsächlich mit diesen anreisten. Die Anreise nach Wien
(für viele internationale Gäste mit dem Flugzeug) wurde
jedoch nicht in die Berechnung miteinbezogen, womit eine
quantitativ bedeutsame Quelle für den veranstaltungsbezoge-
nen CO2-Ausstoß fehlt. Das vorhandene Stromnetz ermög-
lichte eine Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Quellen
und einen Verzicht auf Dieselaggregate, wodurch nach Anga-
ben des Veranstalters mehr als 440.000 Liter Diesel und somit
1000 Tonnen CO2 eingespart werden konnten. Maßnahmen
der Abfallvermeidung sowie getrennte Sammlung und Ver-
wertung von Altstoffen und Abfällen verhinderten weitere
203 Tonnen CO2-Äquivalenteemissionen, dazu wurden laut
Medienberichten im Bereich Verpflegung und Catering re-
gionale und biologische Lebensmittel und Mehrwegbecher
eingesetzt (ORF 2015).
Dem internationalen Trend folgend wurden auch in der
Berichtlegung von Großveranstaltungen Standards (Richt-
linien der Global Reporting Initiative (GRI)) eingehalten,
um einen Vergleich mit anderen Events zu ermöglichen und wichtige Erkenntnisse für künftige Großevents zu liefern
(ÖSV 2013) – laut Medienberichten nicht nur für die Alpine
Ski-WM Schladming, sondern auch für den Eurovision Song
Contest 2015.
Ebenso können den Nachhaltigkeitsberichten von (Groß-)
Veranstaltungen Anregungen und Empfehlungen für zukünf-
tige Veranstaltungen und Attraktionen entnommen werden.
Bilanzen aus dem Nachhaltigkeitsbericht des Eurovision
Song Contest 2015 sind der nachfolgenden Tab. 10.1 zu
entnehmen.
Die Tabelle beschreibt beispielhaft mögliche Anpassungs-
und Minderungsmaßnahmen während und rund um die Ver-
anstaltung, die zum Teil direkt oder indirekt klimarelevant
sind. Sie verdeutlicht, dass durch nachhaltige Organisation
und Durchführung CO2-Emissionen in deutlichem Umfang
eingespart werden können. Die Maßnahmen erscheinen auch
auf andere Events übertragbar. Aufgrund der eingeschränkten
Nachvollziehbarkeit der quantitativen Daten sind die in der
Tabelle dargestellten Werte aus wissenschaftlicher Sicht aller-
dings als nicht belastbar zu bewerten.
Seit 2011 organisiert das Green-Event-Austria-Netzwerk
den Wettbewerb „nachhaltig gewinnen!“. Es handelt sich da-
bei um einen Wettbewerb für nachhaltige Feste, Kulturevents,
Sportveranstaltungen und Sportvereine. Getragen wird der
Wettbewerb vom BMNT, den Bundesländern Burgenland,
Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Ti-
rol, Vorarlberg und Wien sowie Partnerinnen und Partnern
aus Wirtschaft, Sport und Kultur. Zwischen 2010 und 2017
wurden rund 600 Events in ganz Österreich und Südtirol
Teil dieses Wettbewerbs mit über 17.000 realisierten Green-
Event-Maßnahmen (BMNT 2018a). Zu den Best-Practice-
Beispielen des Jahres 2017 zählen Feste wie das Busker
Festival, Fair Planet und WearFair +mehr und Kulturevents
wie Free Tree Open Air, Partycipation und das Schrammel.
Klang.Festival.
Als Best-Practice-Beispiel des Jahres 2017 im Bereich
Sportveranstaltungen wurde der Global 2000 Fairness Run
besonders hervorgehoben (BMNT 2018a). Dabei handelte es
sich um eine Laufveranstaltung, die bereits zum vierten Mal
von Fairsports Events e. U. ausgetragen wurde. Den rund
5000 Läuferinnen und Läufern wurde entlang der Wiener
Mariahilfer Straße ein Programm geboten, das Informationen
zu fairer Sportbekleidung sowie gesundem Essen und Trinken
miteinschloss. Dazu wurden folgende Maßnahmen im Zuge
der Veranstaltung umgesetzt: Die öffentliche Anreise wurde
auf der Homepage der Veranstaltung beworben; für den Fuhr-
park des Organisationsteams wurden Fahrräder eingesetzt
(Führungsfahrzeug, Streckenabschnittsleitung). Im Blick auf
ein klimaschonendes Angebot wurden darüber hinaus bio-
logische, regionale und saisonale Produkte als Verpflegung
in Mehrwegverpackungen angeboten. Weiterhin wurde auf
Energieeffizienz und effizienten Wasserverbrauch besonderer
Wert gelegt. Im Vorfeld wurden die nachhaltigen Aspekte der
10 Festivals, kulturelle Events, Großveranstaltungen, Sportgroßveranstaltungen und Lifestyle Events 185
zurück zum
Buch Tourismus und Klimawandel"
Tourismus und Klimawandel
- Titel
- Tourismus und Klimawandel
- Autoren
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Verlag
- Springer Spektrum
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Abmessungen
- 21.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 263