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Tourismus und Klimawandel
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der Stadt Wien. Klimatische Veränderungen, wie das Auftreten der sommerlichen Hitzewelle im Jahr 2003, veranlassten die Wiener Landessanitätsdirektion zum Schutz der Wiener Bevöl- kerung ein Hitzegesundheitsmonitoring zu etablieren. Seit dem Jahr 2010 gibt es einen präventiven Hitzewarndienst für die Wiener Bevölkerung, der in Kooperation mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik auf drohende Hitzebelas- tungen im Ausmaß von mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen hinweisen soll. Entsprechende Warnungen für die Bevöl- kerung werden im Anlassfall im Internet und über die Wiener Stadtmedien veröffentlicht. Die Veranstalter großer Events, wie dem Donauinselfest, weisen auf diese Informationen hin und verlinken sie mit Hinweisen zur Veranstaltung. Dazu gehören inzwischen vielfach auch Verhaltenshinweise zur Vermeidung von Dehydrierung und Kreislaufschwierigkeiten. Durch die vorausschauende Berechnung geeigneter Ver- anstaltungszeiträume basierend auf zurückliegenden Wetter- daten kann, wie im Fall von Schladming gezeigt (Abb. 10.1 und die dazugehörigen Ausführungen unter Abschn. 10.3.1), auch ein großer Beitrag zur Vermeidung von zusätzlicher Energie für die Beschneiung geleistet werden, der dann sehr wahrscheinlich erforderlich wird, wenn ein ungünstiger Aus- tragungszeitpunkt gewählt werden würde. 10.5 Handlungsoptionen, Kommunikations- und Forschungsbedarf 10.5.1 Ansatzpunkte für die Akzeptanz von Maßnahmen, Information und Bewusstseinsbildung Die vorangegangenen Ausführungen lassen erkennen, dass Maßnahmen zur Vermeidung und Anpassung an den Klima- wandel bereits bei ausgewählten Veranstaltungen gesetzt wurden. Der Umfang dieser Maßnahmen, die überwiegend auf Freiwilligkeit basieren, erscheint im Zuge der radikalen Veränderungen, die sowohl im Hinblick auf Vermeidung wie auch Anpassung notwendig sind, aber als insgesamt nicht ausreichend. Die „österreichische Strategie zur Anpassung an den Kli- mawandel“ aus dem Jahr 2012 hat eine erste Entwicklung hin zu einer ganzheitlichen Strategie im Bereich der Klimawan- delanpassung angestoßen (APCC 2014). Über einen Zeitraum von mehreren Jahren wurde diese Strategie auf Basis um- fassender wissenschaftlicher Studien weiterentwickelt und im Jahr 2017 neu veröffentlicht (BMNT 2017a, b). Verstärkt sich der Trend hin zu Veranstaltungen als Marketinginstrument zur Steigerung der Nachfrage im österreichischen Tourismus, ist davon auszugehen, dass sich die veranstaltungsinduzierten Emissionen insgesamt weiter erhöhen. In diesem Fall müssen weitreichende Maßnahmen angedacht und möglichst früh- zeitig umgesetzt werden. Erste Handlungsempfehlungen für einen nachhaltigen Tourismus können, wie bereits genannt, der „österreichi- schen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel“ (BMNT 2017a, b) entnommen werden. Viele dieser Empfehlungen sind auch für den Veranstaltungssektor relevant, der allerdings Geschäfts- und Kongresstourismus sowie den Kultur- und Veranstaltungstourismus aufgrund einer vorgeblich „geringen Klimaabhängigkeit“ nicht explizit in die Betrachtungen mit- einschließt (BMNT 2017b, S. 95). Dieser Ansatz ist – auf der Grundlage des vorliegenden Berichtes – allerdings kritisch zu hinterfragen. So ist eine genauere Untersuchung in Hin- blick auf das Mobilitätsverhalten der Gäste hilfreich, um die Entwicklung effektiver Maßnahmen zur Senkung der CO2- Emissionen vor allem bei der An- und Abreise zu erleichtern (APCC 2014). Ganz entscheidend für die CO2-Bilanz von Veranstaltungen ist ein nachhaltiges Mobilitätsverhalten der Teilnehmenden, vor allem (aber nicht nur) bei Veranstaltun- gen, die auch internationale Gäste ansprechen. Informatio- nen und Angebote (Anreise per Zug, E-Shuttlebusse zum Veranstaltungsgelände) sind wichtig. Darüber hinaus sind weitere Anreize, wie ein begrenztes Stellplatzangebot oder Parkplatzgebühren, hilfreich, um eine nachhaltige Anreise zu fördern. Zudem ist schon bei der Wahl des Veranstaltungsorts auf nachhaltige An- und Abreisemöglichkeiten Rücksicht zu nehmen. Das kann in einigen Fällen regionalwirtschaftlichen Nutzenüberlegungen entgegengestehen, werden doch touristi- sche Impulse oft in abgelegeneren Regionen am dringendsten benötigt und bieten Veranstaltungen gerade an solchen Orten die Möglichkeit, zusätzliche Gäste anzusprechen, während in beliebten Destinationen die Gefahr bzw. das Ausmaß an Verdrängungseffekten sehr viel höher sein kann. Aktuelle Empfehlungen zur Reduktion von Emissionen der Sektoren Mobilität, Beherbergung und Gastronomie sind den vorangegangenen Kapiteln (Kap. 3–5) zu entnehmen. Im Bereich des Kongresstourismus wird effektiver Klima- schutz langfristig zur Folge haben (müssen), dass Kongresse zunehmend virtuell organisiert werden, um vor allem Flug- bewegungen von Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmern zu verringern. Hier könnte durch die sog. Coronakrise durch den Zwang zur virtuellen Kommunikation ein Umdenken stattgefunden haben. Expertinnen und Experten gehen da- von aus, dass durch die Verpflichtung zum Homeoffice die Bereitschaft zur digitalen Kommunikation positiv beeinflusst wurde (Meyer 2020). 10.5.2 Wissenslücken und Forschungsbedarf Der Bedarf an weiterer Forschung zur Ableitung effektiver Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen wird auch durch eine bislang unzureichende Anzahl an österreichspezifischen Studien, insbesondere wissenschaftlichen Publikationen und Forschungen im Bereich Veranstaltungstourismus, 10 Festivals, kulturelle Events, Großveranstaltungen, Sportgroßveranstaltungen und Lifestyle Events 187
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Tourismus und Klimawandel
Titel
Tourismus und Klimawandel
Autoren
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Verlag
Springer Spektrum
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Abmessungen
21.0 x 28.0 cm
Seiten
263
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