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anschaulich deutlich. Es kann hier auch nur eingeschränkt
auf internationale Forschungsergebnisse aufgebaut wer-
den. Ansatzpunkte hierzu bieten verschiedene Richtlinien,
Checklisten und Leitfäden (BMLFUW 2014; Burgenlän-
dische Landesregierung 2018; Vorarlberger Umweltverband
2018). Die Bereitstellung von umfassender Information und
der Wissenstransfer sind grundlegende Voraussetzungen für
die Verhinderung „spontaner Fehlanpassung“ und können
zu einer Erhöhung der Anpassungsfähigkeit im Tourismus-
sektor führen (BMNT 2017b). Weiterer Forschungsbedarf
ergibt sich in der Erhebung der tatsächlichen Auswirkungen
einer Green-Event-Zertifizierung auf die Entscheidungen
der Gäste.
Forschungsbedarf besteht weiterhin hinsichtlich der kon-
kreten Ausgestaltung der für eine nachhaltige Veranstaltung
notwendigen klimaschützenden Maßnahmen. Darüber hi-
naus erscheinen die Sammlung und Auswertung von Daten
durch eine wissenschaftliche Institution außerhalb des Ver-
anstaltungsmanagements im Hinblick auf die Erstellung
einer möglichst objektiven Klimabilanz für Veranstaltungen
empfehlenswert. Bislang wurden Daten und Auswertungen
von den Veranstaltern selbst zusammengestellt, daher be-
steht die Sorge, dass durch die Datenauswahl bzw. die Art
der Bilanzierung der jeweilige Veranstalter versucht ist, seine
Klimabilanz in günstigem Licht erscheinen zu lassen. Durch
wissenschaftliche Begleitung von Veranstaltungen würde
die Transparenz erhöht und belastbares Datenmaterial zu-
sammengetragen. Zudem können Empfehlungen generiert
werden, die von allgemeinem Interesse für die zukünftige
Ausgestaltung von Politikmaßnahmen im Bereich von Ver-
anstaltungen sind.
10.6 Zusammenfassung
Das Bewusstsein für die Wirkung des Klimawandels zeigt
sich auch im Bereich des Veranstaltungstourismus. So steigt
das Interesse an umweltfreundlich organisierten Angeboten
(Laing und Frost 2009). Die Entwicklungen und Trends in
Österreich belegen, dass die Anzahl der nachhaltigen und um-
weltfreundlichen Veranstaltungen zunimmt (hohe Überein-
stimmung, schwache Beweislage). Die Kennzeichnung pro-
fessioneller und nachhaltiger Meetings und Events mit dem
Österreichischen Umweltzeichen wurde von der Branche sehr
positiv aufgenommen (BMNT 2018a), detaillierte Ergeb-
nisse zur Effizienz fehlen jedoch. Es zeigt sich auch, dass die
Akzeptanz und der Erfolg von Großveranstaltungen auch in
der öffentlichen Wahrnehmung immer mehr danach bewertet
werden, ob diese neben dem reibungslosen Ablauf auch nach-
haltig organisiert und durchgeführt werden. Wie wichtig diese
Aspekte sind, lässt sich auch daran ablesen, dass im deutsch-
sprachigen Raum immer häufiger Großveranstaltungen am
Widerstand der Bevölkerung scheitern. Neben den Kosten für die öffentliche Hand ist dafür meist auch die Furcht vor
lokalen Umweltbelastungen mitverantwortlich (Breuer et al.
2017; Beck 2018). Vor diesem Hintergrund ist die Beachtung
des Klimaschutzes von besonderer Relevanz (hohe Überein-
stimmung, schwache Beweislage). Veranstaltungen finden in
Österreich das ganze Jahr über statt und könnten – wie dar-
gestellt – auch dazu beitragen, dass der von ihnen verursachte
CO2-Ausstoß deutlich verringert wird. Den größten Einfluss
auf den Klimawandel haben die im Laufe der Veranstaltung
produzierten Treibhausgasemissionen, hervorgerufen in erster
Linien durch die An- und Abreise von Teilnehmenden, aber
auch durch den Ressourcen- sowie Energieverbrauch wäh-
rend der Veranstaltung selbst und den der Tourismusbetriebe,
welche die Gäste verköstigen und beherbergen (APCC 2014;
hohe Übereinstimmung, starke Beweislage).
Wie in diesem Kapitel dargelegt, wurden in der „öster-
reichischen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel“
bis jetzt primär Anpassungsstrategien für den Alpen-, Seen-,
Gesundheits- und Städtetourismus behandelt (BMNT 2017b).
Umfassende und detaillierte Untersuchungen sowie Anpas-
sungs- und Minderungsmaßnahmen im Bereich Kultur- und
Veranstaltungstourismus fehlen bislang, sind aber notwendig
(hohe Übereinstimmung, schwache Beweislage).
Im Blick auf die Aussagekraft dieses Kapitels ist ein-
schränkend festzuhalten, dass zu den ökologischen und kli-
marelevanten Wirkungen von Veranstaltungen wenig neutrale
Informationen, Daten und wissenschaftliche Ergebnisse vor-
liegen. Es besteht also erheblicher Forschungsbedarf.
Kernaussagen – Kapitel 10
– Veranstaltungen und Events sind ein wichtiger Teil
des touristischen Angebots und des touristischen
Marketings. Sie sind durch eine steigende Anzahl und
vielfach auch durch hohe Besucherzahlen gekenn-
zeichnet. Durch diese Entwicklung steigt ihre Rele-
vanz für den Klimaschutz (hohe Übereinstimmung,
starke Beweislage).
– Touristische Großveranstaltungen und Events tragen
durch An- und Abreise, aber auch durch Aktivitäten
vor Ort zum Klimawandel bei, sie sind aber gleich-
zeitig von seinen Auswirkungen betroffen, wenn etwa
Hitzetage das Erlebnis bei Outdoorveranstaltungen
beeinträchtigen oder Wintersportveranstaltungen auf-
grund von Schneemangel nicht durchgeführt werden
können (hohe Übereinstimmung, starke Beweislage).
– Eine Klima- und Umweltverträglichkeit von Ver-
anstaltungen und Events kann durch zahlreiche
Maßnahmen verbessert werden. Wichtig ist es, den
Ressourcenverbrauch am und rund um den Ver-
anstaltungsort deutlich zu reduzieren, andererseits
aber auch Vorkehrungen zu treffen, die eine möglichst
klimaschonende An- und Abreise ermöglichen und
Spezifische Komponenten des touristischen Angebots –
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Buch Tourismus und Klimawandel"
Tourismus und Klimawandel
- Titel
- Tourismus und Klimawandel
- Autoren
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Verlag
- Springer Spektrum
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Abmessungen
- 21.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 263