Seite - (000207) - in Tourismus und Klimawandel
Bild der Seite - (000207) -
Text der Seite - (000207) -
11.2.2 Klimawandelinduzierte Veränderung der
Treibhausgasemissionen des Tourismus
Wie sich die Entwicklung der Treibhausgasemissionen des
Tourismus in Zukunft gestaltet, hängt von unterschiedlichen
Faktoren ab (vgl. Abschn. 11.1). Hinsichtlich des Klimawan-
dels ist absehbar, dass aufgrund zunehmender Wetterextreme
Teile der Welt als touristische Destinationen zumindest tem-
porär nicht mehr infrage kommen werden und entsprechende
Veränderungen in den Reiseströmen stattfinden könnten. Dazu
gehört zum Beispiel die Karibik. Wetterextreme, obwohl zu-
nehmend (Munich RE 2018), werden aber wohl mittelfristig
eine deutlich kleinere Rolle bei der Reisezielwahl spielen
als Sicherheitserwägungen. Österreich kann aufgrund eines
global zunehmenden Unsicherheitsgefühls möglicherweise
erwarten, dass sich die Zahl der TouristenankĂĽnfte weiterhin
sehr positiv entwickelt (Scott et al. 2019).
Noch schwieriger ist die Beurteilung von Einzelentwick-
lungen. Im Wintertourismus könnte die zunehmende Schnee-
unsicherheit in den niedrigeren Lagen dazu fĂĽhren, dass
stärker beschneit wird, mit entsprechenden Energiekosten.
Wie Klimawandel insbesondere die Schneeproduktion beein-
flussen kann, wurde in Kap. 6 ausfĂĽhrlich beschrieben.
Im Sommer könnten hohe Temperaturen zum stärkeren
Einsatz von Klimaanlagen fĂĽhren. Auf der anderen Seite
könnten mildere Winter den Heizungsbedarf im Land deutlich
reduzieren. Daraus ergibt sich ein komplexes Bild hinsicht-
lich der Emissionsentwicklungen (vgl. Kap. 4). Eine globale
Ăśbersicht der Risiken von Klimawandel fĂĽr den Tourismus
findet sich in Scott et al. (2019). 11.2.3 Der Beitrag des Tourismus aus Ă–sterreich
zu den globalen Treibhausgasemissionen
Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Emis-
sionen eines Landes bzw. eines Wirtschaftssektors zu berech-
nen. Ein „destinationsbasierter Ansatz“ („destination-based
accounting“; Lenzen et al. 2018) würde alle touristischen
Aktivitäten inkludieren, die im Land Österreich stattfinden.
Diese Variante enthält sämtliche Güter, die notwendig sind,
um den Tourismus im Land aufrechtzuerhalten, auch wenn
diese importiert werden. Da im globalen Tourismus einige
Länder als Entsendeländer eine zentrale Rolle spielen,
während andere Länder vor allem Empfängerländer3 sind,
können Emissionen aber auch den jeweiligen Bewohnern
eines Landes zugerechnet werden, auf der Basis eines „ein-
wohnerbasierten Ansatzes“ („residence-based accounting“;
Lenzen et al. 2018).4 In dieser Variante wird der Verbrauch
aller Einwohner eines Landes zusammengerechnet, auch
wenn er im Ausland stattfindet. Von Ausländern im Land ver-
ursachter Verbrauch wird hingegen abgezogen. In der Praxis
sind beide Ansätze häufig nicht auseinanderzuhalten; dazu
kommt, dass es fĂĽr nationale Tourismusakteure keinen Sinn
3 Entsendeländer: Hier definiert als Länder, die global als Märkte eine
wichtige Rolle spielen.
4 Beide Ansätze sind konsumbasierte Berechnungsmethoden. Demge-
genĂĽber steht ein produktionsbasierter Ansatz der Emissionsbewertung
(siehe dazu z. B. Dwyer et al. 2010). Des Weiteren kann methodisch
zwischen einer Bottom-up-Analyse auf Branchen- und Touristenebene
und einem makroökonomischen Top-down-Ansatz unterschieden wer-
den (siehe z. B. Becken und Patterson 2006).
Abb. 11.1 Hauptkomponenten
des globalen touristischen
KlimafuĂźabdrucks (ein Teil der
Flugverkehrsemissionen ist in
der Kategorie „Verkehr – nicht
spezifiziert“ enthalten). (Daten-
quelle: Lenzen et al. 2018;
Grafik: die AutorInnen) Globale Entwicklung und nationale
Verpflichtungen200
zurĂĽck zum
Buch Tourismus und Klimawandel"
Tourismus und Klimawandel
- Titel
- Tourismus und Klimawandel
- Autoren
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Verlag
- Springer Spektrum
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Abmessungen
- 21.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 263