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Tourismus und Klimawandel
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macht, bei Emissionsminderungsstrategien zwischen einhei- mischen und ausländischen Gästen zu unterscheiden (z. B. bei der Entwicklung klimaschonender Menüs in der Gastro- nomie oder nachhaltiger Mobilitätsangebote). Bislang gibt es nur erste Versuche, Emissionen eines Landes auf der Basis von Destinations- bzw. Einwohneransatz zu errechnen. Österreich emittierte im Jahr 2016 laut nationalem Inventar insgesamt 79,6 Mt CO2-Äquivalente. Darin enthalten sind der Binnentourismus und der touristische Verbrauch von Auslän- dern im Land sowie auch der „Tanktourismus“ (Autofahrer aus den Nachbarländern, die nach Österreich kommen, um zu tanken; Umweltbundesamt 2016). Zum Vergleich, in der EU insgesamt lagen die Emissionen in diesem Jahr bei 4303,4 Mt CO2-Äquivalenten, Österreich machte also rund 1,8 % der ge- samten EU-Emissionen aus. Auf jeden Österreicher kommen damit 9,1 t CO2-Äquivalente, etwas mehr als im EU-Durch- schnitt (8,4 t; Berechnungen auf Basis von Bevölkerungsdaten der Eurostat 2019 und Emissionsdaten der UNFCCC 2019). Bis zum Jahr 2050 rechnet das Umweltbundesamt (2018a) mit einer verbleibenden Gesamtemissionsmenge von 1–1,5 Gt CO2-Äquivalenten, die noch verbraucht werden kann, bevor Österreich seine Emissionsminderungsziele zur Erreichung des 2 °C-Ziels überschreitet (Umweltbundesamt 2018a). Emissionsminderungen in Österreich werden durch den euro- päischen Emissionshandel (größte Emittenten) sowie durch nationale Initiativen erreicht. Etwa 36,5 % der nationalen Emissionen werden vom Emissionshandel der Europäischen Union abgedeckt. Die verbleibenden 63,5 %, entsprechend 50,6 Mt CO2-Äquivalente, fallen unter nationale Emissions- minderungsanstrengungen. In dieser Summe nicht enthalten sind internationale Flugverkehrsemissionen. Wessen Verant- wortlichkeit diese sind, ist bislang ungeklärt. Die EU hat Flüge innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) in das Emissionshandelssystem integriert; Flüge aus und in den EWR sind derzeit aber ausgenommen (vgl. Abschn. 3.2.6). Die International Civil Aviation Organisation (ICAO) hat ein Konzept zur Begrenzung der Emissionen vorgelegt, das „Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation“ (CORSIA). Dieses Konzept wird aber bereits als weitgehend wirkungslos eingestuft (ETC 2018; Lyle 2018). Bislang fehlen detaillierte Berechnungen zu den Emissio- nen, welche durch die Reisen der aus Österreich ins Ausland reisenden Touristinnen und Touristen entstehen. Um ange- sichts der ungenügenden Datenlage zumindest eine Abschät- zung in diese Richtung zu ermöglichen – auch um der Bedeu- tung dieses Themas entsprechend Platz zu geben –, wurden im Rahmen dieses Berichts dahin gehend Berechnungen auf Basis der Erhebung der Reisegewohnheiten der über 15-Jähri- gen in Österreich aus dem Jahr 2017 (Statistik Austria 2018a) durchgeführt. Details dieser Berechnungen sind im Anhang dieses Berichts dokumentiert. Insgesamt wurden im Jahr 2017 rund 23 Mio. Reisen durchgeführt. In dieser Reisestatistik sind die Reiseziele der Österreicherinnen und Österreicher nach Transportmittelwahl und Entfernung aufgeschlüsselt. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass es hinsichtlich der Trans- portmittelwahl für verschiedene Zielländer keine Angaben gibt. Auf Basis dieser Angaben und der berechneten Durch- schnittsemissionen pro Reise und Verkehrsmittel, berechnet unter Verwendung der durchschnittlichen Emissionsfaktoren je Transportmittel des Umweltbundesamtes (2018b) und der durchschnittlichen Distanzen zwischen Österreich und den Zielländern/-regionen, wurden insgesamt für die An- und Abreise zum Urlaubsort Treibhausgasemissionen von rund 11,5 Mt CO2-Äquivalenten errechnet. Dies entspricht etwa 0,5 t CO2-Äquivalente pro Reise. Berücksichtigt man nur die Reisen der Österreicherinnen und Österreicher ins Ausland, d. h. ohne die Reisen innerhalb Österreichs, beträgt der Wert rund 10,9 Mt CO2-Äquivalente. Da Lücken bezüglich der Transportmittelwahl im Datensatz auftreten, sind allerdings die Emissionen von 1,36 Mio. Reisen (rund 6 %) in dieser Berechnung nicht enthalten. Es zeigt sich, dass Reisen innerhalb Österreichs im Durch- schnitt besonders geringe Transportemissionen verursachen (52 kg CO2-Äquivalente). Ein erheblicher Unterschied besteht jedoch in der Transportmittelwahl, da jede Flugreise innerhalb Österreichs mit Emissionen von 667 kg CO2-Äquivalenten zu Buche schlägt, d. h. mehr als das Zehnfache einer Autoreise, das 20-Fache einer Busreise und das 80-Fache einer Zug- reise. Auch zwischen den Destinationen lassen sich deutliche Unterschiede feststellen. So verursacht eine Autoreise in die europäischen Nachbarländer (Deutschland, Schweiz, Italien, Ungarn) Emissionen von bis zu 0,2 t CO2-Äquivalenten, während durch eine Flugreise nach Afrika, Amerika, Asien oder Ozeanien bis zu 14,3 t CO2-Äquivalente entstehen. Auch Flugreisen nach Griechenland, Spanien, Großbritannien oder in die Türkei können schon mit mehr als einer Tonne CO2- Äquivalente zum Klimawandel beitragen. Viel besser fällt da- gegen die Klimabilanz von Bus und vor allem auch Zugreisen aus. Ganz Europa lässt sich mit dem Zug bereisen, ohne dass die Emissionen 70 kg CO2 überschreiten. Diese Zahlen liefern erste grobe Abschätzungen und dienen einer ersten Einordnung des Beitrags der Reisen der Österreicherinnen und Österreicher zu den Treibhausgas- emissionen, da bisher umfassende Studien zu diesem Thema für Österreich fehlen. Die vorliegenden Ergebnisse sind mit Unsicherheiten verbunden, da bei den Berechnungen auf die vom Umweltbundesamt ausgewiesenen Emissionsfaktoren (Umweltbundesamt 2018b) zurückgegriffen wurde, die auf Durchschnittswerten beruhen. So sind in der Berechnungs- annahme der Emissionsfaktoren für den Zugverkehr bei- spielsweise auch Dieselloks enthalten, die im Fernreisever- kehr keine Rolle spielen. Zudem unterscheidet sich auch die Energieerzeugung im Bahnverkehr der bereisten Länder. Un- sicherheiten gibt es auch bei den verwendeten Emissionsfak- toren für den Luftverkehr, einerseits aufgrund des angenom- menen Radiative Forcing Index (RFI) zur Berechnung der 11 Berücksichtigung der globalen Entwicklung 201
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Tourismus und Klimawandel
Titel
Tourismus und Klimawandel
Autoren
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Verlag
Springer Spektrum
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Abmessungen
21.0 x 28.0 cm
Seiten
263
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