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Tourismus und Klimawandel
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T-MONA-Ergebnissen zur Verkehrsmittelwahl, wo nur 45,5 % der US-amerikanischen Gäste angaben, mit dem Flugzeug nach Österreich angereist zu sein. Dazu ist auch in der Luftfahrtstatistik der Statistik Austria (2018e) für die meisten außereuropäischen Länder die Zahl der ankommen- den Fluggäste weitaus geringer als die der Ankünfte in der Tourismusstatistik (z. B. im Kalenderjahr 2017 für Reisende aus China: 899.636 in der Tourismusstatistik und 180.949 in der Luftfahrtstatistik). Des Weiteren ist zu betonen, dass die vorliegenden Be- rechnungen auf einer sehr groben Abschätzung der Reisedis- tanzen beruhen, da nur die Ankünfte pro Land berücksichtigt sind, aber nicht der genaue Herkunftsort. Bei flächenmäßig großen Ländern könnte es hier große Abweichungen geben. Außerdem ist zu bedenken, dass die Berechnung der Emis- sionsfaktoren hier auf Basis von Zahlen des österreichischen Umweltbundesamtes erfolgte. In anderen Ländern könnten diese aber für alle Verkehrsmittel deutlich verschieden sein, etwa durch unterschiedliche Energieerzeugung und Flotten- zusammensetzung (hinsichtlich Durchschnittsalter und Fahr- zeugtyp), sowohl bei Pkw, Flugzeugen als auch Zügen. Um diese Unsicherheitsfaktoren möglichst auszuräumen und so eine annähernd richtige Vorstellung vom CO2-Fuß- abdruck des österreichischen Tourismus zu bekommen und diesen auch adäquat mit den Emissionen der gesamten Volkswirtschaft zu vergleichen, wäre also eine umfassende, tiefergehende Studie notwendig. Was jedoch aus den Aus- führungen hier klar hervorgeht ist, dass der Tourismus mit Sicherheit einen bedeutenden Anteil ausmacht, vor allem aufgrund der Fernreisenden, mit zunehmender Tendenz. Insbesondere die Zahl der Gäste aus dem asiatischen Raum ist in den letzten Jahren stark im Steigen begriffen (Statistik Austria 2018f). Eine steigende Tendenz des Flugverkehrs von und nach Österreich wird auch im Zusammenhang mit der Errichtung einer dritten Piste am Flughafen Wien-Schwechat erwartet. So ging das Bundesverwaltungsgericht 2017 davon aus, dass die Zahl der Passagiere am Flughafen von 2008 bis 2025 von 19,7 Mio. auf 37 Mio. ansteigen würde, mit einer ent- sprechenden Zunahme der Flugverkehrsemissionen.6 6 Es ist anzumerken, dass das Bundesverwaltungsgericht am 02.02.2017 entschied, dass das bereits 2007 eingereichte Projekt einer dritten Piste nicht genehmigungsfähig wäre, da dadurch Öster- reichs nationale und internationale Verpflichtungen zum Klimaschutz (siehe Abschn. 12.1) nicht eingehalten werden könnten (BVwG 2017). Diese Entscheidung wurde jedoch im Juni desselben Jahres vom Ver- fassungsgericht aufgehoben, unter der Angabe, dass diese nicht der gültigen Rechtslage entspreche (VfGH 2017). 2018 kam es dann zu einer Genehmigung durch das Bundesverwaltungsgericht, welche am 06.03.2019 vom Verwaltungsgerichtshof bestätigt wurde (VwGH 2019); ein wichtiges Argument dabei war, dass Treibhausgasemissio- nen aus dem Luftverkehr den jeweiligen Fluglinien zuzurechnen sind und nicht dem Flughafen. 11.4 Handlungsoptionen, Kommunikations- und Forschungsbedarf Die Ansatzpunkte für mögliche Handlungsfelder zur Ein- schränkung der in diesem Kapitel aufgezeigten bedeutenden Emissionen des Tourismus werden in Kap. 12 genauer be- trachtet. Klimaschützende Maßnahmen sowie Aktionen zur Bewusstseinsbildung sollten von der Wissenschaft durch möglichst klare Aussagen und genaue Zahlen untermauert werden. In dieser Hinsicht besteht noch ein großer Bedarf an weiterführenden Studien, um die zurzeit noch bestehenden Unsicherheiten auszuräumen. Dies betrifft beispielsweise auf internationaler Ebene – aber auch mit großer Relevanz für Österreich – die Berechnung der klimarelevanten Aus- wirkungen der kurzlebigen Emissionen des Flugverkehrs, zu denen derzeit noch sehr unterschiedliche Annahmen beste- hen. Eine große Forschungslücke besteht auch in Hinblick auf den Beitrag des Tourismus zu den Emissionen auf nationaler Ebene, wobei im internationalen Vergleich Doppelerfassun- gen vermieden und auf eine faire Zurechnung der Flugreisen geachtet werden sollte. Die verschiedenen Untersektoren der Tourismuswirtschaft sollten möglichst detailliert betrachtet werden. Es ist notwendig, dass die sektorale Auflösung der Tourismusstatistik verfeinert wird, um eine möglichst genaue Ermittlung der vom Tourismus verursachten Treibhausgas- emissionen zu erleichtern. Angesichts der Bedeutung des Tourismus für Österreich und der Leitfunktion, die Österreich insbesondere im Winter- tourismus nicht abgesprochen werden kann, ist das gesicherte Wissen um diese Aspekte erstaunlich schwach. Hier bedarf es eines grundlegenden Wandels in der Wahrnehmung der Rolle der Forschung für den Sektor. Ein nationales Begleit- forschungsprogramm (durch die zuständigen Fachabteilun- gen Tourismus, Klima, Forschung, auch unter Beteiligung der Länder) zu allen Aspekten der Thematik Tourismus und Klima und den benötigten Grundlagendaten sollte angedacht werden. Auch hinsichtlich der zukünftigen internationalen Ent- wicklung des Tourismus im Zusammenhang mit dem Klima- wandel – und deren Auswirkungen auf Österreich – besteht Bedarf nach weiterführender Forschung. Dabei sollten die in diesem Kapitel aufgezeigten Aspekte und Wissenslücken (z. B. im Bereich der Auswirkungen der veränderten Schnee- situation im Winter, genauere Wetterindizes, inkl. Nieder- schläge, für die einzelnen Tourismusarten und mögliche Ver- lagerungseffekte zwischen den Saisonen) berücksichtigt und neue Forschungsergebnisse und Szenarien, auch aus anderen Bereichen der (Klimawandel-)Forschung (z. B. Berücksich- tigung anderer globaler Herausforderungen, demografischer Wandel), miteinbezogen werden. Globale Entwicklung und nationale Verpflichtungen204
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Tourismus und Klimawandel
Titel
Tourismus und Klimawandel
Autoren
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Verlag
Springer Spektrum
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Abmessungen
21.0 x 28.0 cm
Seiten
263
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