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ger als 2 °C im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter ein-
zuhalten, sind also ohne Zweifel weitreichende Maßnahmen
erforderlich. Darunter fallen neben Lenkungsmaßnahmen wie
einer ökologischen Steuerreform mit dem mittelfristigen Ziel
einer vollständigen Internalisierung externer Kosten (d. h.
die Zurechnung der externen (Umwelt-)Effekte auf den Ver-
ursacher) insbesondere die entsprechenden Reaktionen der
Anbieter, um in einem nach Klimaschutzaspekten optimierten
Wirtschaftssystem noch immer ein wirtschaftlich tragfähiges
Angebot sicherzustellen. Nimmt man zwischen dem Basis-
jahr 2018 und dem Zieljahr 2050 vereinfacht einen linearen
Reduktionspfad an, so wird deutlich, dass der zu beschrei-
tende Pfad durch das gegebene Treibhausgasrestbudget5 stei-
ler wird, wenn erst später entsprechende Maßnahmen gesetzt
werden.
Was für die erforderliche Emissionsreduktion auf Indivi-
dualebene der Fall ist, gilt natürlich auch für Anbieter von all
jenen Produkten und Dienstleistungen, die sich auf die Emis-
sionsbilanz der Konsumenten auswirken. Für Wirtschafts-
betriebe ergibt sich aus dieser prozessualen Perspektive ge-
mäß Abb. 12.3 eine besondere Situation: Je später wirksame
Maßnahmen zur Emissionsreduktion gesetzt werden, desto
größer wird zu einem späteren Zeitpunkt der Aufwand sein,
der vonnöten ist, um die Bereitstellung des eigenen Angebots
doch noch auf einen klimaverträglichen Weg zu bringen. Ein
späterer Reduktionsbeginn bei gleichbleibendem Restbudget
erfordert einen steileren Pfad und ein früheres „Null“-Niveau.
Werden also emissionsreduzierende Maßnahmen zugunsten
5 Jene Menge an Treibhausgasen, die weltweit noch höchstens freige-
setzt werden darf, um das 2 °C-Ziel erreichen zu können. kurzfristiger wirtschaftlicher Überlegungen hinausgezögert,
vergrößert dies den zu einem späteren Zeitpunkt nötigen
Aufwand dramatisch. Allerdings kann es auch sein, dass
die Kosten für diese Reduktion zu einem späteren Zeitpunkt
geringer sind. Diese Unsicherheit kann durch über die Zeit
degressive Förderungen insofern reduziert werden, als da-
durch die Preise von zielführenden Maßnahmen heute und in
Zukunft angeglichen werden und somit kein wirtschaftlicher
Anreiz zur Verschiebung der Investition mehr besteht.
Die prozessuale Zieldefinition mit einer sukzessiven Ent-
wicklung in Richtung Energiewende ist aber nicht nur aus
unmittelbar betriebswirtschaftlicher Sicht relevant, sondern
auch im Hinblick auf die Frage, wie Menschen zukünftig ihre
Konsum- und Verhaltensentscheidungen treffen werden. Ak-
tuelle Befunde aus der empirischen Forschung sind sich weit-
gehend einig darüber, dass das klima- und umweltspezifische
Problembewusstsein in westlichen Gesellschaften relativ gut
ausgeprägt ist. In einer Studie des deutschen Umweltbundes-
amts gaben beispielsweise 88 % der Befragten an, das Ziel
der Treibhausgasneutralität für sehr wichtig (52 %) oder eher
wichtig (36 %) zu halten. 91 % halten es für erforderlich,
Wirtschaft und Märkte so zu regulieren, dass Umweltbelas-
tungen gering gehalten werden. Zudem zeigt sich „in großen
Teilen der Gesellschaft eine Offenheit für Veränderungen,
auch mit Blick auf die Umsetzung einer nachhaltigeren Wirt-
schafts- und Lebensweise“ sowie ein breiter Rückhalt „für ein
noch stärkeres umweltpolitisches Engagement in Wirtschaft,
Politik und Gesellschaft“ (BMUB und UBA 2016, S. 23).
Zusätzlich legen internationale Daten einen signifikanten
Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Um-
weltbewusstsein nahe (Franzen 2003; Franzen und Vogl
Abb. 12.3 Idealisierter Reduk-
tionspfad bis 2050. Konsumba-
sierte Emissionen pro Kopf in
Österreich für das Jahr 2015.
(Gemäß Windsperger et al. 2017;
Grafik: Prettentahler, Göss-
ling, Damm und Neger 2020)
0
2
4
6
8
10
12
14
16
2015 Zwischenziel 1 Zwischenziel 2 2050
Reduk onspfad bis 2050
Durchschni liche/r Österreicher/in
12 Nationale Verpflichtungen auf Grundlage des Pariser Klimaabkommens 217
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Buch Tourismus und Klimawandel"
Tourismus und Klimawandel
- Titel
- Tourismus und Klimawandel
- Autoren
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Verlag
- Springer Spektrum
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Abmessungen
- 21.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 263