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Tourismus und Klimawandel
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Angeboten, innovative Möglichkeiten für indirekte Verhaltens- änderungen. Entsprechende Forschungsansätze, die Theorie und Praxis verbinden, stehen in Österreich noch aus. Vor dem Hintergrund der eingangs erwähnten teilweise frustrierenden Ergebnisse bei dem Versuch, das Verhalten durch traditionelle Methoden der Information und Kom- munikation zu beeinflussen, sehen wir daher in der Nudge- Theorie einen vielversprechenden neuen Rahmen für eine Verbesserung des nachhaltigen Tourismusmanagements. Wir betrachten das Nudging nicht so sehr als Revolution, sondern als logische Weiterentwicklung einer sich wandelnden Go- vernance-Landschaft (Baldwin et al. 2011; Levi-Faur 2011; Bradbury et al. 2013; Kosters und van der Heijden 2015). Das bedeutet, dass Maßnahmen und touristische Angebote zu entwickeln sind, bei denen auch nichtklimabewusste Kon- sumentinnen und Konsumenten die Erwartungen an ihren Aufenthalt (Komfort, Erlebniskomponente etc.) erfüllt sehen, während sie (quasi unbemerkt) klimaschonend konsumieren. Um dieses Ziel zu erreichen, besteht erheblicher Forschungs- bedarf. Die Handlungsoptionen bezogen auf die Reisenden zielen darauf ab, einen „Paris Lifestyle“ zu erreichen: • Beachtung der Klimaziele bei der Wahl des Urlaubs- orts, des Betriebes und der Aktivitäten, • Beachtung der Klimaziele bei der Wahl des Ver- kehrsmittels bzw. der Verkehrsmittel, • Kompensation, insbesondere bei Flugreisen, und • klimabewusste Entscheidungen. Dies kann bezogen auf den Reisenden durch ver- schiedene Strategien aufseiten der Anbieter unterstützt werden: • Qualität, die nicht darauf ausgerichtet ist, Abstriche bei den Kundinnen und Kunden zu verlangen, • Anreize, die als Angebotserweiterung und Produkt- entwicklung empfunden werden, • Nudges, die nicht spürbar sind, • Erhalt bzw. Erweiterung des Erlebnisses als Prä- misse und • Beeinflussung der gesellschaftlichen Wahrnehmung bestimmter Urlaubsangebote. 13.2.2 Anpassungs- und Vermeidungsmaßnahmen durch den Betrieb Neben den oben angesprochenen Änderungen des indivi- duellen Verhaltens des einzelnen Reisenden bestehen zahl- reiche Möglichkeiten, die Treibhausgasemissionen durch eine Veränderung der Anlagen, der betrieblichen Abläufe und der Anpassung bewährter Geschäftspraktiken zu reduzieren. In der Vergangenheit lag das Hauptaugenmerk auf der An- gebotsseite, einschließlich der Verbesserung von Gebäuden und Dienstleistungen durch die Implementierung von In- frastruktur für erneuerbare Energien, energieeffizienten An- lagen und Isolierung (BMWFW et al. 2015) sowie der Unter- stützung einzelner Betriebe durch Beratung, Zertifizierung und Förderung (Pröbstl und Müller 2012; APCC 2014; EIW 2014). Bei der Fortführung dieser Tradition gilt es, zukünf- tig bei den Förderungen die Klimafitness des zu fördernden Projektes jeweils noch mehr als bisher zu berücksichtigen bzw. Förderungen ggf. dahin gehend einzuschränken. Die Österreichische Tourismusbank hat bereits entsprechende Schritte gesetzt, die noch weiter ausgebaut werden könnten (klimaaktiv 2016). Im Hinblick auf die Zertifizierung und Auditierung gibt es im Tourismus Bereiche, in denen im Unterschied zu anderen europäischen Ländern Vorbilder und entsprechende Anwendungen fehlen. Dies gilt zum Beispiel für Golfanlagen, die in Spanien regelmäßig zertifiziert sind (Fürnweger 2016). Ebenfalls weiterhin zu unterstützen sind alle Anstrengun- gen, die eine Zertifizierung von Betrieben fördern. Gerade im Energiesektor sind erhebliche Einsparpotenziale in der Ver- gangenheit nachgewiesen (Reschl 2019). Durch Förderungen oder andere Anreize sollte die Entscheidung zu einer regel- mäßigen Zertifizierung leichter gemacht werden. Viele Be- triebe würden sich in diesem Zusammenhang Erleichterungen bei der Genehmigung von Anpassungsmaßnahmen wünschen (Pröbstl-Haider et al. 2018). Darüber hinaus wird heute von den Betrieben auch er- wartet, dass sie das Angebot an klimaverträglichen Produkten und Dienstleistungen schrittweise vergrößern. So wird vom Kunden vielfach bereits gewünscht, dass neben der klima- schonenden Übernachtung auch Anreise, Mobilität vor Ort und angebotene Aktivitäten entsprechend mitgebucht werden können. Diese Angebotsentwicklung geht oft über die Kern- kompetenzen des einzelnen Betriebes hinaus und erfordert Kooperationen auf Destinationsebene (vgl. Abschn. 13.2.3). Erschwerend kommt hinzu, dass aus betrieblicher Sicht häufig bei Anpassungsmaßnahmen Ressourceneffizienz und Gästekomfort gegeneinander abgewogen werden müssen. Dies trifft zum Beispiel die Temperatur der Räume, die Wärme des Pools, das Entfernen der Minibar u. v. a. mehr. Ein weiteres häufig genanntes Hindernis ist die Sorge der Betriebe, dass Einsparungsmaßnahmen zulasten der Dienst- leistungen beziehungsweise der Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeiter gehen könnten (Becken 2013). Wege zu einem klimaverträglichen touristischen Produkt können von einzelnen Betrieben meist nicht alleine umgesetzt werden. Partnerschaften und Kooperationen auf Destinations- ebene sind vielfach bei der Produktentwicklung zwingend notwendig. 13 Ableitung von Handlungsoptionen 229
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Tourismus und Klimawandel
Titel
Tourismus und Klimawandel
Autoren
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Verlag
Springer Spektrum
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Abmessungen
21.0 x 28.0 cm
Seiten
263
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