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und dafür beispielhafte Optionen beschrieben. Die Beschrei-
bungen sollen weiterhin verdeutlichen, welche Überlegun-
gen sich daraus für die Branche ergeben und mit welchen
Herausforderungen im Einzelfall zu rechnen ist. Welche
Fragestellungen sich dabei in der Umsetzung für Forschung
und Praxis ergeben, wird jeweils an mehreren Fallbeispielen
illustriert. Für die Formulierung der Fragen wurden jeweils
aktuelle Trends und Entwicklungen herangezogen und „wei-
tergedacht“. Kernfragen werden dann durch weiterführende
Fragestellungen konkretisiert und veranschaulicht. Die Fra-
genblöcke sind – um die Diskussion anzuregen – jeweils farb-
lich hervorgehoben.
13.3.1 Rechtliche und normative Instrumente
Rechtliche und normative Instrumente setzen auf rechtlich
verbindliche Lösungen, um die gewünschten Ziele um-
zusetzen. Die jeweiligen Regelungen sind verbindlich und
ihre Einhaltung wird daher von der Exekutive und der Judi-
kative überwacht und durchgesetzt. Zu den rechtlichen und
normativen Steuerungsmöglichkeiten gehören insbesondere
Gesetze, Verordnungen oder Richtlinien, die Gebote, Ver-
bote, Auflagen und Normen enthalten können. Diese Instru-
mente werden in der Regel eingeführt, um für eine Vielzahl
von Fällen eine gleichberechtigte Regulierungsgrundlage zu
schaffen und gleichzeitig die Notwendigkeit zu umgehen,
Einzelvorschriften zu erlassen und wiederholt grundlegende
Wertentscheidungen treffen zu müssen (Mostegl 2020). Sie
sind vor allem wichtig für eine langfristige Planung und
sollten daher eine hohe Verlässlichkeit aufweisen. Gerade
vor diesem Hintergrund ist es eine große Herausforderung, die Auswirkungen und Implikationen – für die Tourismus-
wirtschaft einerseits sowie für die Gesellschaft andererseits
– jeweils frühzeitig abzuschätzen.
Die Europäische Union hat bereits verbindliche Vorgaben
für die Energiewende gemacht. Jeder Mitgliedstaat ist ver-
pflichtet diese entsprechend einzuhalten und in nationales
Recht zu überführen. Bislang wurde diese Verpflichtung aus
der Sicht der Experten zu wenig beachtet, ebenso wie die
Tatsache, dass eine Nichterfüllung in der Regel Sanktionen
nach sich ziehen wird (VCÖ 2019).
Die Wirkung von normativen Instrumenten kann man
anhand der folgenden beispielhaften Fragestellungen dis-
kutieren (Abb. 13.3).
In der Vergangenheit hat die Europäische Union keine
Zweifel daran gelassen, dass sie die von ihr vorgegebenen
Normen um- und durchsetzt. Strafzahlungen gehören regel-
mäßig dazu. Wird das Einsparungsziel an Treibhausgasemis-
sionen verfehlt, kommt ein innereuropäischer Zertifikatshan-
del zum Tragen. Die geschätzten Kosten dafür liegen nur für
den Verkehrsbereich im einstelligen Milliardenbereich (VCÖ
2019). Wie diese Zahlungen dann national umgelegt werden,
nach Sektoren (Deutschland diskutierte im Herbst 2019 eine
Sektorenlösung bezogen auf die Verantwortung von Minis-
terien) oder nach Bundesländern (wurde im Zusammenhang
mit der Umsetzung der FFH-Richtlinie in Deutschland über-
legt), ist Sache des jeweiligen Mitgliedstaates.
Die touristische Branche könnte die Entscheidungsgrundla-
gen wesentlich verbessern, indem ein Regelwerk zur Erfassung
und Bilanzierung der ihr zuzuordnenden Treibhausgase auf-
gestellt wird, um Leistungen dokumentieren zu können, aber
auch um ggf. sektorale Anlastungen zurückweisen zu können.
Weiterhin sollten die Effekte aus europäischen und interna-
tionalen Verpflichtungen, wie aus dem Abkommen von Paris,
so detailliert wie möglich in die jeweilige Regierungsplanung
aufgenommen werden, sodass eine Verantwortlichkeit auf die
zuständigen Ressorts übertragen werden kann. Eine branchen-
oder sektorenbezogene Eigenverantwortung könnte aus dieser
Bilanzierung, Diskussion und Zuordnung ebenfalls entstehen.
Normative Instrumente können aber auch gezielt Anreize
für Anpassungen schaffen, um in der täglichen Praxis „besser“
zu werden. Ein Beispiel dafür sind die Auflagen für klima-
schonende Veranstaltungen. Im Rahmen der Erarbeitung des
vorliegenden Berichts entstand der Eindruck, dass die Anfor-
derungen an die Klimaverträglichkeit von Veranstaltungen
inzwischen zu niedrig angesetzt sind. Hier könnten normative
Vorgaben einen wichtigen Anreiz bieten, da viele Veranstalter
gerne mit einem „grünen Event“ werben wollen. Eine He-
rausforderung stellt allerdings die Frage dar, wie weitreichend
die Vorgaben sein sollen und welche Auswirkungen bezogen
auf die Austragungsorte (insbesondere periphere Lagen) und
die dortige Wertschöpfung entstehen.
Normativ könnten auch touristische Anbieter verpflichtet
werden, den jeweiligen Beitrag der angebotenen Reise, Un-
Instrumente
zur Förderung
von Adaption
und Mitigation
Rechtliche und
normative
Instrumente
Instrumente
verhaltens-
bezogener
Ökonomie u.
Psychologie
Ökonomische
Instrumente
Fachplanerische
Instrumente und
Governance
Bewusstseins-
bildung und
Information Moderation und
Aushandlungs-
prozesse
(Facilitation)
Abb. 13.2 Instrumente zur Förderung von Adaptions- und Mitigati-
onsprozessen im Zusammenhang mit dem Klimawandel. (Verändert
nach Mostegl 2020; Grafik: Ulrike Pröbstl-Haider) Globale Entwicklung und nationale
Verpflichtungen232
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Buch Tourismus und Klimawandel"
Tourismus und Klimawandel
- Titel
- Tourismus und Klimawandel
- Autoren
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Verlag
- Springer Spektrum
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Abmessungen
- 21.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 263