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Tourismus und Klimawandel
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terkunft, Tagesskipässe, Thermeneintritte usw., zu den Treib- hausgasemissionen kenntlich zu machen, wie dies bereits heute einzelne Leitbetriebe der Seilbahnwirtschaft oder An- bieter von Busreisen tun. Insbesondere Buchungsplattformen könnten in diesem Zusammenhang nicht nur Preisvergleiche, sondern auch die Auswirkungen auf die Treibhausgasemissio- nen kommunizieren und einander gegenüberstellen müssen. Geeignete Berechnungsgrundlagen liegen dafür vor (u. a. ökologischer Fußabdruck; z. B. TU Graz o.J.). Die Beispiele zeigen, dass die Effekte normativer Fest- legungen jeweils mitgedacht werden müssen. Dies erfordert vielfach auch die vorausschauende Anwendung von anderen, nachstehend vorgestellten Instrumenten, insbesondere der Verhaltensökonomik oder der Aushandlung und Moderation. 13.3.2 Ökonomische Steuerungsinstrumente Wirtschaftliche Instrumente lassen sich in finanzielle Unter- stützung und Finanzierung, Steuern und Abgaben (Erhöhung und Befreiung), Entschädigungsregeln und handelbare Um- weltlizenzen unterteilen (Schenker et al. 2014; Loer 2015; Thorun et al. 2017; Vetter et al. 2017). Derzeit zählen die Entwicklung und Umsetzung wirtschaftlicher Anreize zu den wichtigsten Instrumenten der Politikentwicklung. Ent- sprechende Ansätze streben entweder durch positive oder negative finanzielle Anreize eine Verhaltensänderung an. Positive Anreize, wie zum Beispiel Förderungen für energie- bewusstes Bauen, können eine hohe finanzielle Belastung für den Staat darstellen, insbesondere dann, wenn das Instrument stark nachgefragt wird. Negative finanzielle Anreize zielen darauf ab, Verhalten durch die Einführung von Sanktionen zu beeinflussen. So wird von vielen Seiten im Zusammenhang mit dem Klima- wandel die Besteuerung von Kerosin gefordert, damit über die steigenden Kosten der Anreiz zu fliegen sinkt. Trotz der Steuereinnahmen ist der entstehende Verwaltungsaufwand bei Einführung nicht wesentlich geringer als bei der Im- plementierung anderer Regulierungsinstrumente. Weiterhin ist aus der Sicht der politischen Parteien eine Besteuerung immer auch ein Instrument, das – zumindest in Teilen der Be- völkerung – zu Ablehnung und Kritik führt beziehungsweise führen kann. Darüber hinaus weisen Biesbroek et al. (2013) und Schenker et al. (2014) darauf hin, dass wirtschaftliche Steuerungsinstrumente dieser Art nicht die Einstellungen der Betroffenen beeinflussen und daher oftmals keine nachhaltige Entwicklung anstoßen oder anstoßen können. In diesem Fall würde der Reisende zwar versuchen, Steuern zu vermeiden, nicht aber für den Klimaschutz eintreten. Dennoch sind Steuern, trotz der geringen Akzeptanz in der Öffentlichkeit, die gängigsten politischen Vorgehens- weisen, wenn es darum geht, unerwünschtes Verhalten zu beeinflussen (Buckley und Llerena 2018). Die Nutzung von finanziellen Anreizen über Steuern unterliegt zudem der Schwierigkeit, dass ihre Wirkung und Betroffenheit in der Bevölkerung in der Regel ungleich verteilt sind. Weiterhin stellt sich die Frage, ob die Förderungen bei ungleichen Ver- hältnissen auch dort ankommen, wofür sie gedacht sind. Aus touristischer Sicht gilt dies insbesondere für die ungleichen Verhältnisse zwischen städtischen und ländlichen Räumen. Entsprechende Initiativen erfordern daher eine intensive Vor- bereitung und Absicherung. In diese Vorbereitung sind auch Folgeabschätzungen miteinzubeziehen (Abb. 13.4). Die Auseinandersetzung mit der Einflussnahme auf weit entfernte Reisemärkte, wie etwa dem südostasiatischen Fern- reisemarkt, und die damit verbundene Diskussion um entspre- chende Werbemaßnahmen unterstreichen, wie wichtig eine Vorabschätzung möglicher Wirkungen ist. Die Diskussion mit Stakeholdern im Rahmen der Berichterstellung zeigte, dass für touristische Betriebe im Bundesland Salzburg der Fernreisemarkt wirtschaftlich wichtig ist, während die Bun- desländer Niederösterreich und Steiermark eher eine Kon- zentration auf europäische Märkte mit länger bleibenden und zahlungskräftigen Gästen bevorzugen würden. In diesem Zusammenhang muss auch diskutiert werden, ob beständig weiterwachsende Märkte das Ziel des österrei- chischen Tourismus sein sollen. Könnte nicht die Zielsetzung in Verbindung mit der Klimawandelanpassung darin beste- hen, die Länge des jeweiligen Aufenthalts zu erhöhen, um nicht mehr auf eine permanent wachsende Zahl an Gästen mit Abb. 13.3 Beispielhafte Fra- gestellungen bei Nichterreichung der Einsparungsziele Was passiert, wenn Österreich die Vorgaben der EUzur Senkung der Treibhausgasemissionennicht erreicht? Momentan liegt die Zielvorgabe der Österreichischen Klima- und Energiestrategie (BMNT & BMVIT, 2018) bei einer Reduktion um 36 % im Vergleich zum Jahr 2005, auf europäischer Ebene wird hingegen bis 2030 eine Emissionsreduktion um mindestens 40 % gegenüber dem Stand von 1990 verlangt. Wer würde dabei zur Rechenschaft gezogen werden? Wie hoch sind die finanziellen Mittel, die bei Nicht-Erfüllung oder die kurzfristig zur Erfüllung bereitgestellt werden müssen und wie wirkt sich dieser Eingriff in den Haushalt u. a. gesellschaftlich und wirtschaftlich aus? Wie würde sich die Nichterfüllung auf das Image Österreichs als nachhaltige Destination auswirken? 13 Ableitung von Handlungsoptionen 233
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Tourismus und Klimawandel
Titel
Tourismus und Klimawandel
Autoren
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Verlag
Springer Spektrum
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Abmessungen
21.0 x 28.0 cm
Seiten
263
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