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Tourismus und Klimawandel
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immer kürzeren Aufenthaltszeiten setzen zu müssen. Es stellt sich damit indirekt auch die Frage, ob – wirtschaftlich gese- hen – anhaltendes Wachstum (Becken 2016) oder ein Wachs- tumsparadigma für den Tourismus zwingend notwendig ist. Dies mag für weltweite Entwicklungen vielleicht zutreffen, bei einer Betrachtung spezifischer Regionen in Österreich erscheinen jedoch auch andere Lösungen denkbar, die auf stabile Strukturen abzielen und an einer Maximierung der Wertschöpfung ausgerichtet sind. Auch bezogen auf die Elektromobilität werden För- derungen oder steuervergünstigende Lösungen nicht nur in Österreich, sondern vor allen in wichtigen Herkunftsmärkten österreichischer Gäste diskutiert. Daher ist es wichtig, sich mit den möglichen Effekten dieser Steuerungen auseinander- zusetzen (Abb. 13.5). Derzeit wäre Österreich wohl nicht in der Lage, die er- forderliche Versorgung mit Ladestationen für die E-Mo- bilität in den gewünschten Destinationen bereitzustellen. Daher könnte eine wichtige Handlungsoption darin be- stehen – nachdem die Ausrichtung auf die Elektromobi- lität bei den großen Herstellern gefallen ist –, durch eine gezielte Förderung die Versorgungssicherheit auch abseits der Städte und Autobahnen herzustellen. Eine Befragung in Zusammenarbeit mit der Hoteliervereinigung (Pröbstl- Haider 2014a) zeigt, dass ein Interesse an einer flächen- deckenden Versorgung besteht und viele Betriebe daran mitwirken würden. Immerhin 29 % wünschen sich in Zu- kunft eigene Ladestationen zu ihrem Hotelbetrieb, weitere 27 % würden bei vorhandenen Förderungen entsprechende Anlagen im eigenen Betrieb errichten und 44 % erwarten eine allgemeine Versorgung durch Dritte (Stadt, Gemeinde, Stromanbieter o. Ä.). Neben der Einflussnahme durch Steuern gehören auch An- reize durch Förderungen zu besonders einflussreichen öko- Abb. 13.4 Beispiel für Fra- gestellungen zu den Effekten einer Besteuerung von Kerosin auf die inländische und auslän- dische Nachfrage und entspre- chender Handlungsbedarf Was wäre, wenn eine CO2-Steuer aufKerosineingeführt werden würde und dadurch die Hälfte (50 %) aller österreichischen Flugreisenden, die sonst im Ausland Urlaub machen, nunmehr ein touristisches Angebot im Inland nutzen wollen? Damit würden rund zwei Millionen Flugreisen entfallen und, bei einer durchschnittlichen Nächtigungsdauer von 3,3 Nächten, der Bedarf für rund 6,6 Mio. zusätzliche Nächtigungen in Österreich (+4,4 %) entstehen. Sind diese zusätzlichen Übernachtungsgäste in der entsprechenden Saison unterzubringen? Welche Destinationen könnten von diesem Anstieg am stärksten profitieren und sollten diese vorab gezielt beworben werden,um die Entwicklung zu steuern? Wie können Nahmärkte im Allgemeinen stärker angesprochen werden und wie kanndem Trend zu einer kurzen Aufenthaltsdauer entgegengewirkt werden? Eine Besteuerung von Kerosin würde sich aber auch auf den Fernreisemarkt auswirken und die Struktur der Gäste beeinflussen, die Österreich besuchen. Bislang wird erwartet, dass die Ankünfte aus Schwellenländern, vor allem aus Asien, weiter rasant ansteigen (Buckley et al., 2015). Könnte man diesenTrend, der die Tourismusmärkte in dennächsten 30 Jahren bestimmen soll, durch höhere Kerosinpreise ausreichend stark beeinflussen? Wie würde sich eine Zunahme von Fernreisenden unter den Gästen auf die Treibhausgasbilanz des österreichischen Tourismus auswirken? Wäre es damit immer noch möglich, die national angestrebten Ziele zur Emissionsreduktion zu erreichen? Ist es sinnvoll, Werbemaßnahmen zur Förderungen des Fernreisetourismus zu limitieren und stattdessen verstärkt auf Nahmärkte zu setzen? Abb. 13.5 Beispiel für Fra- gestellungen zur Elektro- mobilität Was wäre, wenn 20 % der deutschen und niederländischen Urlauberinnen und Urlauber mit einem elektrischen Auto anreisen würden, wie es die Marktentwicklung vorsieht, die von einem Anteil von 15 % bis 25 % der Neuzulassungen bei ca. 100 zur Auswahl stehenden Modellen zukünftig ausgeht (NPE, 2018)? Beeinflusst die Elektromobilität die Anreiseform und Destinationswahl der nationalen, europäischenund internationalen Gäste? Wäre die notwendige Infrastruktur in den Destinationen vorhanden (E-Ladestationen)? Führt diese Entwicklung im ländlichen Raum zu Nachrüstungs- und Investitionsbedarf bei den Betrieben? Würden Rebound-Effekte durch erhöhte Fahrleistungen mit den E-Pkws entstehen und die Bereitschaft zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, wie Busse und Bahnen, sinken? Globale Entwicklung und nationale Verpflichtungen234
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Tourismus und Klimawandel
Titel
Tourismus und Klimawandel
Autoren
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Verlag
Springer Spektrum
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Abmessungen
21.0 x 28.0 cm
Seiten
263
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