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legung der Kosten auf den Gast, was jedoch eine Veränderung
der Gästesegmente bewirken könnte.
Instrumente der Verhaltensökonomik eignen sich ganz be-
sonders für die Politikberatung und die politische Entschei-
dungsfindung, da potenzielle Vorgehensweisen und die darauf
möglichen Reaktionen vorausgedacht und zielgruppenspe-
zifische Ergebnisse vorgelegt werden können. Methoden,
wie zum Beispiel das Choice-Experiment, erhöhen den Ein-
blick in das Zustandekommen und die Einflussfaktoren von
Auswahlentscheidungen (Adamowicz et al. 1998). Darüber
hinaus konnten van Beukering et al. (2007) und Adamowicz
et al. (1998) zeigen, dass auch nichtmarktfähige Eigenschaf-
ten, wie das Landschaftsbild, hypothetische Zustände oder
Möglichkeiten sehr gut in einer intuitiv verständlichen Form
aufbereitet werden können. Auch sogenannte Non-use Values
(sog. Nichtgebrauchswerte) lassen sich mit Choice-Experi-
menten ausgezeichnet untersuchen. Forschungsarbeiten, unter
anderem im Zusammenhang mit dem Klimawandel, zeigten
weiterhin, dass ein Choice-Experiment auch Variablen ent- halten kann, die Risiken und Unsicherheiten widerspiegeln
(Pröbstl-Haider und Haider 2013; Pröbstl-Haider et al. 2016).
Beispiele für die Behandlung von Risiken und Unsicher-
heiten bestehen unter anderem im Bereich verschiedener
sportlicher Outdooraktivitäten (siehe auch Abb. 13.9).
Im Hinblick auf die touristische Forschung ist es wichtig,
dass verschiedene Elemente des Produkts, wie die Anreise,
die Aktivitäten vor Ort, der Aufenthalt usw., integriert abge-
fragt werden und nicht – wie bisher meist üblich – getrennt
gesehen werden. Eine besonders mühsame Anreise kann
beispielsweise den ganzen Aufenthalt überschatten und zu-
künftige Entscheidungen beeinflussen.
Die Abb. 13.10 zeigt einen Ausschnitt aus einer Studie im
Auftrag des Landes Steiermark, bei der die Mobilität vor Ort
(Weingartentaxi) im Zusammenhang mit anderen Angeboten
der Urlaubsdestination Südsteiermark in einem Choice-Ex-
periment integriert und nicht losgelöst voneinander abgefragt
wurden (Pröbstl-Haider et al. 2017a).
Abb. 13.8 Methoden der ver-
haltensbezogenen Ökonomie
eignen sich gut im Bereich der
Mobilitätsforschung Was wäre, wenn die Nachfrage nach Anreiseangeboten ohne Auto zunimmt, weil in den Großstädten
der Anteil an Personen ohne Auto und ohne Führerschein zunimmt? Derzeit beträgt der Anteil von
Haushalten ohne Pkw in Wien bereits 42 % (VCÖ, 2017) und in Berlin bereits 51 % (Amt für Statistik
Berlin Brandenburg, 2018).
Würden attraktive An- und Abreiseformen für diese Zielgruppe zur Verfügung stehen (z. B.
hochrangige Zugverbindungen)?
Wären die Destinationen für eine flexible Mobilität ihrer Gäste gerüstet und hätten sie
entsprechende Angebote?
Könnte die Attraktivität von Urlaubsdestinationen durch attraktivere Gestaltung des öffentlichen
Raums gesteigert werden?
Auch Fragestellungen zu anderen Formen der Mobilität ließen sich mit dieser Methode gut
untersuchen:
Eine wichtige Zielsetzung im Hinblick auf die Einsparung von Treibhausgasemissionen ist es, die
Zahl der Reisenden mit Billigflügen zu reduzieren.
Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um Billigflüge unattraktiv zu machen?
Wie müssen Angebote von Bussen und Bahnen gestaltet werden, dass sie als gleichwertiger
Ersatz von den bisherigen Kunden der Billigfluglinien eingestuft werden würden?
Wie unterscheiden sich die Marktsegmente und warum werden bestimmte Angebote von
einigen Gästesegmenten stärker angenommen als vonanderen?
Abb. 13.9 Unsicherheiten und
Risiken müssen mit anderen
Eigenschaften der Destination
abgewogen werden. Die Ver-
haltensökonomik ist hierfür ein
geeigneter methodischer Ansatz Was wäre, wenn einzelne Aktivitäten (wie z. B. Klettern im Permafrostbereich, Kanufahren bei
Niedrigwasser, Flugsportartendurch veränderte Thermik) gefährlicher werden?
Wie werden diese Risiken vom Gast wahrgenommen?
Wie können dieseRisiken als Folge desKlimawandelskommuniziert werden?
Wie beeinflussen Risiken, Unfälle beziehungsweise Gefährdungen und die entsprechende
mediale Berichterstattung die Reiseentscheidungunddie gewählten Aktivitäten vor Ort?
Sind die Bergrettung und andere österreichische Rettungseinrichtungen auf eine Zunahme der
Rettungseinsätze am Berg, in Gewässern und im Zusammenhang mit Flugsportarten, aber
auch aufgrund von Hitzestress vorbereitet und welche Art der Rettungs-Infrastruktur wird aus
touristischer Sicht erwartet?
Wie und durch welche Strukturen lassen sich vorbeugende Maßnahmen setzen, um einen
besseren Schutz zu gewährleisten?
13 Ableitung von Handlungsoptionen 237
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Tourismus und Klimawandel
- Titel
- Tourismus und Klimawandel
- Autoren
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Verlag
- Springer Spektrum
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Abmessungen
- 21.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 263